»Ein intelligenter Film über Korrumpierbarkeit, Scheinheiligkeit
und einen atemberaubenden Rollentausch voll grotesker Komik.«
Kölner
Stadtanzeiger
Der gelungenste Film der Berlinale.« [Berliner Zeitung]
»Bei aller Dramatik hat der Film immer wieder neue Wendungen und
sehr komische Momente.«
B.Z.
»Märchenhaft, gepaart mit schwarzem
Humor.«
ZDF Aspekte
Kultregisseur Murnberger (Der Knochenmann, Silentium, Komm süsser Tod) erzählt
die Geschichte von Victor Kaufmann (Moritz Bleibtreu) und Rudi (Georg Friedrich),
die wie Brüder aufgewachsen und unzertrennlich sind. Doch Rudi begehrt schon
längst, was Victor hat: das Polster des Wohlstands und den Glanz einer schönen
Frau. Also schlüpft er in die SS-Uniform und verrät seinen Nazi-Kumpels: die
Kaufmanns haben einen echten Michelangelo! Von den kursierenden Fälschungen weiß
er nichts. Ratzfatz ist die Zeichnung in Herrscherhänden, die Kaufmanns im KZ
und Victors Freundin Lena mit Rudi verlobt. Doch das Original stellt sich als
Kopie heraus und Rudi braucht – Victor. Die Karten werden neu gemischt als Victor
Rudi überwältigt und sich in dessen Uniform wirft ... Die Jagd nach dem echten
Michelangelo ist eröffnet!
Österreich
/ Luxemburg 2011 - 100 Min.; ab 12;
Regie: Wolfgang Murnberger;
Darsteller: Moritz Bleibtreu, Georg Friedrich, Udo Samel, Marthe Keller,
Ursula Strauss, Uwe Bohm, Rainer Bock, Christoph Luser, Serge Falck,
Karl Fischer.
Gereizte Stimmung im Führerhauptquartier:
Die Italiener nerven schon wieder rum. Nächste Woche kommt der Duce
zum Staatsbesuch; bei diesem Anlass soll er eine Michelangelo-Zeichnung
erhalten, die vor dem Krieg in Wien dem jüdischen Galeristen Jakob
Kaufmann abgenommen wurde. Leider hat ein römischer Kunsthistoriker
das Blatt gerade als Fälschung entlarvt. Kaufmann wurde jedoch ermordet;
nur sein Sohn Victor weiß, wo das Original sein könnte. Victors Jugendfreund
Rudi, der ihn 1938 im entscheidenden Moment an die Nazis verriet,
wird losgeschickt, ihn aus dem KZ nach Berlin zu bringen. Als ihr
Flugzeug von Partisanen abgeschossen wird, rettet Victor zwar Rudi
das Leben. Doch findet der Nazi sich plötzlich in KZ-Kluft wieder,
während Victor in dessen SS-Uniform mit einer Verkleidungs- und Verwechslungskomödie
auf Leben und Tod beginnt.
Den Überraschungsbären für den gelungensten
Film auf der Berlinale, von dem wir vorher am wenigsten erwartet
haben, erhält Wolfgang Murnberger für "Mein bester Feind" (außer
Konkurrenz im Wettbewerb): Gegen alle Wahrscheinlichkeit ist ihm
mit Moritz Bleibtreu als Victor und Georg Friedrich als Rudi eine
interessante, in der Verbindung von filmischem Witz und historisch
gebotenem Ernst völlig unpeinliche und über weite Strecken sogar
wirklich lustige Komödie gelungen. Moritz Bleibtreu spielt dabei
im Grunde wie immer: unbeeindruckt von äußeren Umständen. Obgleich
er als Wiener Galeristensohn eingeführt wird, macht er sich nicht
erst die Mühe, seinen Hamburger Akzent zu verbergen, was im Dialog
mit dem schön breit österreichelnden Georg Friedrich (gut, dass es
bei der Berlinale-Vorführung englische Untertitel gab) gelegentlich
sonderbar wirkt. Und auch nach einer fünfjährigen Odyssee durch deutsche
Konzentrationslager pflegt er immer noch jenes knuffige Grinsen und
jenen fröhlich-federnden Gang, mit dem er - vor dem ersten Zeitsprung
des Films - 1938 von der Bildfläche verschwand.
Doch egal: Denn in
den meisten Szenen passt der Bleibtreu'sche Personalstil hervorragend.
Er spielt ja immer dann am besten, wenn er eine Rolle spielt, in
der er eine Rolle zu spielen hat. Und nach dem noch etwas zähen und
mühsam chargierten ersten Drittel des Films kommt dieser tatsächlich
groß in Fahrt, als er zur Fälschungskomödie wird: falsche Nazis,
falsche Juden, falsche Michelangelos überall. Fabelhaft, wie nun
Murnberger und sein Autor Paul Hengge den boulevardesken Dialogwitz,
das Verkleidungs- und Entlarvungskarussell in Bewegung zu halten
vermögen, ohne dabei die Nazis zu bloßen Operettendarstellern zu
verniedlichen. Die Brutalität und die Bedrohung, die Angst um das
nur an gelungenen Täuschungen hängende Leben sind in jeder Szene
spürbar geblieben. Mehr kann man von einem Genrefilm dieser Art nicht
verlangen.
Jens Balzer (Berliner Zeitung)