Originaltitel:
Ma part du gâteau;
Frankreich 2011
- 109 Min.; ab 12;
Regie: Cédric Klapisch;
Darsteller: Karin Viard, Gilles Lellouche, Audrey Lamy, Jean-Pierre
Martins, Raphaële Godin, Marine Vacth, Zinedine Soualem, Fred Ulysse.
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In Cédric Klapischs französischer Sozial-Komödie
treffen die Welten einer Putzfrau und eines Börsenhais turbulent
aufeinander
. Ken Loach auf französisch. Das ist vielleicht etwas
übertrieben, aber Cédric Klapisch verehrt den englischen Regisseur
und dessen Engagements für Underdogs. Und schlägt - wenn auch nicht
so radikal wie sein Vorbild - in die gleiche Kerbe: die da unten
beißen die Zähne zusammen und zeigen Herz, die da oben leben herzlos
in Saus und Braus.
Unten angelangt ist France (nomen est omen). Als
sie nach 20 Jahren wegen Fabrikschließung ihren Job in Dünkirchen
verliert, wagt sich die Mutter von drei Töchtern nach Paris und findet
eine Stelle als Putzfrau bei einem Börsenhai. Erst übersieht der
smarte 35-Jährige das in der Riesenwohnung werkelnde Wesen, doch
dann bringt die Ex plötzlich das Söhnchen für einen Monat vorbei
und France kümmert sich liebevoll um Kind und Rabenvater, der ihr
erklärt, wie man beim Börsenpoker fix Millionen macht. Da keine passende
Dame aufzutreiben ist, begleitet sie ihn als "Russin" nach
London und heitert die langweilige Dinner-Runde bei seinem Boss mit
Fantasie-Akzent auf. Der leidenschaftlichen Nacht folgt Ernüchterung.
Nicht nur dass der Trader an der Abwicklung der Fabrik beteiligt
war, am Telefon prahlt er auch noch damit, die "Putze flachgelegt" zu
haben. France rächt sich auf ihre Weise.
Klapisch spielt mit dem
bei Molière wiederkehrenden Motiv des Hausmädchens, greift den Mythos
des Aschenputtels auf und führt ihn ad absurdum, im Gegensatz zu "Pretty
Woman" gibt es hier kein gemeinsames Happy End zwischen den
Welten, die Klapisch gerne gegeneinander schneidet - glitzernde Bürotürme,
sterile Wohnungen, schicke Menschen, Privatflugzeuge, Champagner
und Canapés auf der einen heruntergekommene Fabrikhallen, knallbuntes
Heim, demonstrierende Wutbürger, Rostlauben, Discounterfutter auf
der anderen Seite. Er wohnt abgehoben im 30. Stock, sie und ihre
Familie im Erdgeschoss.
Der Energie geladenen Karin Viard nimmt man
sogar die überzeichnete arbeitslose Altruistin ab, wie Gille Lellouche
den zynischen und manchmal larmoyanten Finanzjongleur, in dessen
Geldkreisen die Bezeichnung Humanist als Beleidigung gilt. Stark
vereinfachend, aber erfrischend amüsant benutzt Klapisch zwischen
Drama und Komödie die Realität der Finanzkrise für eine wohl sehr
unrealistische Begegnung und nimmt dabei offen Partei für die weibliche
Figur, die letztendlich ihr "Stück vom Kuchen" kriegt.
Entlarvende Dialoge zwischen Witz und Wahrheit sind das Sahnehäubchen.
mk. (Blickpunkt Film) |