Der Einsatz im Irak-Krieg kostete US-Soldat Will Montgomery (Ben Foster) fast ein Auge. Zurück in der Heimat gibt ihm die Armee einen neuen Job. Eine "heilige Aufgabe", wie sie sein Vorgesetzter Tony Stone (Woody Harrelson) beschreibt: Das Überbringen der schlechtesten aller Nachrichten für die Angehörigen gefallener Kameraden. "Ein Job für Leute mit Charakter, echte Männer von Format": So versucht sich Stone diese Arbeit schönzureden. Letztendlich ist es aber tragische Routine.



USA 2009 - 112 Min.; ab 12;
Regie: Oren Moverman;
Darsteller: Ben Foster, Woody Harrelson, Samantha Morton, Jena Malone, Steve Buscemi, Eamonn Walker, Yada Dacosta, Lisa Joyce, Peter Francis James.

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Das Vermitteln der Todesnachricht hat feste Regeln: Niemals nach dem Weg zum Haus der Familie fragen, niemals vor der Tür warten, Berührungen absolut vermeiden. Sogar zwischen Anklopfen und Klingeln gibt es einen psychologischen Unterschied. Auf unvermeidliche Zwischenfälle wie Weinen, Schreien und körperliche Attacken der Bestürzten ist man gründlich vorbereitet.

Doch vollständig gelingt Montgomery und Stone die emotionale Abschottung trotz allen Pflichtbewusstseins nicht. Aus der Schicksalsgemeinschaft entsteht eine vorsichtige Männerfreundschaft. Montgomery beginnt zudem, sich für die Witwe Olivia Pitterson (Samantha Morton) zu interessieren. Als diese die Nachricht vom Tod ihres Mannes erhält, sorgt sie sich zuerst um die Überbringer: "Das ist sicher nicht leicht für Sie." Fast zwangsläufig muss sich Montgomery in sie verlieben.
Trotz seines harten Themas ist "The Messenger" alles andere als ein kalter Film: Montgomery und Stone geben dem Krieg in der Heimat ein echtes Gesicht. Nur äußerlich unerschüttert symbolisieren sie für die Angehörigen der Gefallenen die umfassende Ungerechtigkeit des Systems. Das macht die beiden uniformierten Männer zur ersten Zielscheibe des Schocks und zum Ventil hilflosen Schmerzes.

Foster und Woody Harrelson, ist der Film ein Beispiel für Souveränität, bei der es nicht bleiben kann, und für die Suche nach einem Gefühlszustand zwischen Schmerz und Apathie. "The Messenger" ist kein Spektakel, vielleicht nicht einmal ein Drama - eher eine präzise Beobachtung von Frustration, wo das Kriegsfilm-Genre sonst eigentlich Helden schafft. "Ist es zuviel verlangt, wenn man auf dem Schlachtfeld eine Schlacht erleben will?" fragt sich der Fast-Zivilist Stone im allabendlichen Alkoholnebel. Die offensichtliche Antwort will dieser spektakulär leise, berührende Film nicht geben.
Fazit

Mitgefühl und Anteilnahme in Zeiten des Krieges: Das ist unter Kämpfern eine gewagte, womöglich gefährliche Überlegung. Der auf der diesjährigen Berlinale mehrfach ausgezeichnete und zweifach Oscar-nominierte "Messenger" riskiert sie komplett ohne Pathos und deshalb um so nachdrücklicher.