Das Vermitteln der Todesnachricht hat feste Regeln:
Niemals nach dem Weg zum Haus der Familie fragen, niemals vor der
Tür warten, Berührungen absolut vermeiden. Sogar zwischen Anklopfen
und Klingeln gibt es einen psychologischen Unterschied. Auf unvermeidliche
Zwischenfälle wie Weinen, Schreien und körperliche Attacken der Bestürzten
ist man gründlich vorbereitet.
Doch vollständig gelingt Montgomery und Stone die emotionale Abschottung
trotz allen Pflichtbewusstseins nicht. Aus der Schicksalsgemeinschaft
entsteht eine vorsichtige Männerfreundschaft. Montgomery beginnt
zudem, sich für die Witwe Olivia Pitterson (Samantha Morton) zu interessieren.
Als diese die Nachricht vom Tod ihres Mannes erhält, sorgt sie sich
zuerst um die Überbringer: "Das ist sicher nicht leicht für
Sie." Fast zwangsläufig muss sich Montgomery in sie verlieben.
Trotz seines harten Themas ist "The Messenger" alles andere
als ein kalter Film: Montgomery und Stone geben dem Krieg in der
Heimat ein echtes Gesicht. Nur äußerlich unerschüttert symbolisieren
sie für die Angehörigen der Gefallenen die umfassende Ungerechtigkeit
des Systems. Das macht die beiden uniformierten Männer zur ersten
Zielscheibe des Schocks und zum Ventil hilflosen Schmerzes.
Foster und Woody Harrelson, ist der Film ein Beispiel für Souveränität,
bei der es nicht bleiben kann, und für die Suche nach einem Gefühlszustand
zwischen Schmerz und Apathie. "The Messenger" ist kein
Spektakel, vielleicht nicht einmal ein Drama - eher eine präzise
Beobachtung von Frustration, wo das Kriegsfilm-Genre sonst eigentlich
Helden schafft. "Ist es zuviel verlangt, wenn man auf dem Schlachtfeld
eine Schlacht erleben will?" fragt sich der Fast-Zivilist Stone
im allabendlichen Alkoholnebel. Die offensichtliche Antwort will
dieser spektakulär leise, berührende Film nicht geben.
Fazit
Mitgefühl und Anteilnahme in Zeiten des Krieges: Das ist unter Kämpfern
eine gewagte, womöglich gefährliche Überlegung. Der auf der diesjährigen
Berlinale mehrfach ausgezeichnete und zweifach Oscar-nominierte "Messenger" riskiert
sie komplett ohne Pathos und deshalb um so nachdrücklicher. |