Gleich zweimal macht Bazil mit
Produkten der Waffenindustrie böse Erfahrungen. Bis er mit seinem
Freunden, einer Gruppe wunderlicher Außenseiter, beschließt, den
Schreibtischtätern an der Konzernspitze ein Schnippchen zu schlagen...
"Micmacs" ist nach "Delicatessen" und "Die
fabelhafte Welt der Amelie" ein neuer Film von Jean-Pierre Jeunet.
In seiner fabelhaften Filmwelt eines zeitlos poetischen Paris fügen
sich Kreativität und Komik zu bestem Kintopp. Mitten drin Dany Boon
("Willkommen bei den Sch'tis"), der mit beschwingter, chaplinesquer
Komik das Publikum durch den skurrilen Spielzirkus führt. |
Originaltitel:
Micmacs à tire-larigot;
Frankreich
2009 - 104 Min.; ab 6;
Regie: Jean-Pierre Jeunet;
Darsteller: Dany Boon, Dominique Pinon, André Dussollier, Yolande
Moreau, Jean-Pierre Marielle, Julie Ferrier, Omar Sy, Michel Cremades,
Marie-Julie Baup.
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Von einer Kugel schwer verletzt und mittellos wird Basil von einer
Gruppe schräger Außenseiter aufgenommen. Mit ihnen zieht er in einen
Kampf gegen die Waffenindustrie. „Amélie“-Regisseur Jean-Pierre Jeunet
macht daraus ein an kreativen Einfällen überbordendes Kinovergnügen.
Durch eine Landmine in den 1970er-Jahren in Nordafrika verliert der
kleine Bazil seinen Vater und später auch die Mutter, die den Tod ihres
Mannes nicht verkraftet. Der Junge landet im Heim, büchst aus und...
Schnitt. Es folgt ein Sprung von 20 Jahren. Da trifft Bazil, nun ein
harmloser Videoverkäufer vor seinem Geschäft eine verirrte Pistolenkugel
in den Kopf.
Die Kugel bleibt drin, entscheiden die Ärzte nach dem Münzwurf der
OP-Schwester. Ein früherer Kleinkrimineller liest Bazil, durch den
Unfall job- und wohnungslos, auf der Straße auf und nimmt ihn mit zu
einer Gruppe von Außenseitern in einer Art Ali-Baba-Schrotthöhle. Die
neue Familie gibt ihm Kraft. Und als Bazil zufällig auf die zwei Waffenkonzerne
stößt, die für den Tod seines Vaters und die Kugel in seinem Kopf verantwortlich
sind, schmieden er und seine Freunde einen Plan, die konkurrierenden
Waffenhändler (Nicolas Marié und André Dussolier) gegeneinander auszuspielen.
Bald tanzen die skurrilen Sonderlinge den Granden der Waffenindustrie
auf der Nase herum.
Was folgt ist purer Kintopp in seiner schönsten Form. Wie das Trüppchen
die „Mission Impossible“ meistert, wird zum Ausflug in ein von Braun-,
Grün- und Blautönen dominiertes imaginäres Imperium aus Poesie, Bastelfreude
und Komik mit kleinen Anspielungen auf die Rachegeschichten von Sergio
Leone und einer Verbeugung vor dem großen Charlie Chaplin. Pate stand
der poetische Realismus von Jacques Prévert und Michel Carné.
Aus dem Kampf zwischen David und Goliath, zwischen dem Schwachen und
Starken, lassen sich die besten Kinogeschichten spinnen. Und so entführt
Regisseur Jean-Pierre Jeunet wie sein Kollege Tim Burton oder einst
Jacques Tati in ein ganz spezielles Reich der Fantasie. Der Regisseur
von „Die fabelhafte Welt der Amélie“ und „Mathilde - eine große Liebe“
kehrt vor allem optisch zurück in die Welt von seinen 90er-Jahre-Kinoerfolgen
„Delicatessen“ und „Die Stadt der verlorenen Kinder“. Nur ist der Ton
hier nicht düster, sondern von einer neuen Leichtigkeit und Unbeschwertheit
geprägt. Auch, wenn der Anfang Unheil verheißt.
Jeunet, der den fünften „Harry Potter“-Film absagte, weil Dekors und
Kostüme schon feststanden, spielt wie ein großer Junge mit dem Stabilbaukasten
und feiert die Lust an der grenzenlosen Imagination. Jeunet bringt
aber auch - wenn es um die Ziele und Argumente der Waffenfabrikanten
geht - Authentizität in die Dialoge. Paris erstrahlt in einer Mischung
aus nostalgischem Charme und architektonischem Sammelsurium, wirkt
fast märchenhaft mit seinen nächtlichen leeren Straßen. Ein bestens
gelungener Kontrast zur Jetztzeit ist am Ende die Entlarvung der Bösewichte
auf YouTube. Da hüpft das Herz, wenn die Guten haushoch gewinnen. Und
Dany Boon in der Rolle des melancholischen zwischen Kindheit und Erwachsensein
schwankenden Bazil beweist in dieser anrührenden Komödie, dass er weit
mehr kann als bei den „Sch‘tis“ die Ulknudel zu mimen.
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