Für einen durchschnittlich sportlichen Menschen
mutet in der Regel sowohl das Besteigen eines Berges bei 20 Grad
unter Null, im stürmischen Wind und widrigen Bedingungen, als auch
eine teils fast senkrechte Abfahrt auf Skiern nicht wie etwas an,
dass man freiwillig tut. Die Österreichischer Axel Naglich und Peter
Ressmann, anfangs noch begleitet vom Amerikaner Jon Johnston, machen
gleich beides auf einmal. Sie gehören zu jener Sorte Mensch, die
in einer zunehmend kontrollierten Welt, in der selbst die Besteigung
des Mount Everest im Reisebüro buchbar ist, nach immer neuen Möglichkeiten
suchen, die Grenze des Machbaren zu verschieben.
Warum sie tun was
sie tun, ist für den Außenstehenden kaum nachvollziehbar. Das Risiko,
sich schwerste Verletzungen zuzuziehen oder gar zu sterben scheint
derart hoch, dass man solche Menschen oft allzu schnell als fahrlässige,
lebensmüde Adrenalinjunkies abtut. Zwar mag der Kick, etwas eigentlich
kaum Vorstellbares zu schaffen ein Antriebsgrund sein, viel wichtiger
ist jedoch die Suche nach möglichst unberührter Natur, nach unerforschtem
Terrain.
Und das findet sich in Alaska, am Mount St. Elias. Zwar
ist er nur knapp 5500 Meter hoch und somit weit von den Riesen im
Himalaja entfernt, doch misst man die Höhe von der Spitze eines Berges
zum ihn umgebenden flachen Land, dann ist der Mount St. Elias der
höchste Berg der Welt. Während der Everest nur etwa 3500 Meter aus
dem tibetischen Hochland aufragt, liegt in unmittelbarer Nähe des
St. Elias das Meer. Und so wurde die wahnwitzig anmutende Idee geboren,
den St Elias erst zu besteigen (was allein schon eine Leistung ist,
die in den letzten hundert Jahren kaum mehr als ein Dutzend Seilschaften
vollbracht haben) und anschließend von 5500 Meter Höhe auf Skiern
hinab ans Meer zu fahren.
Das größte Problem dabei ist weniger die
Schwierigkeit des Berges als das unvorhersehbare Wetter, das binnen
Minuten von strahlendem Sonnenschein in wüste Stürme umschlagen kann,
die zudem oft Tage, wenn nicht Wochen anhalten. Und genau so kommt
es beim ersten Gipfelsturm: Tagelang kämpfen die Alpinisten inklusive
Kameramann und Regisseur um ihr Überleben, sieht man Angst und Schrecken
auf den einst selbstbewussten Gesichtern. Vorher war schon ein Teilerfolg
gelungen, eine Abfahrt aus dem Basislager auf 3500 Meter Höhe, teils
fast senkrechte Wände herunter, über Eisfelder und Schluchten. Eingefangen
vor allem mit Kameras aus Flugzeugen- und Helikoptern, die, so macht
es den Anschein, während des ganzen Aufstieg und vor allem der anschließenden
Abfahrt um den Berg kreisten.
Und auch wenn Gerald Salminas Film
bisweilen etwas marktschreierisch daherkommt, er zudem reichlich
unnötige Bilder eines nachgestellten Unglücks am St. Elias verwendet;
allein die sensationellen Aufnahmen der Berge machen diesen Film
unbedingt sehenswert. Winzige Punkte sieht man da, die sich langsam
einen Bergkamm empor kämpfen, später lässiges Wedeln in 5000 Meter
Höhe, an der Kante einer steil abragenden Felswand, im Hintergrund
der strahlend blaue Himmel und das alaskische Meer. In dieser Natur
zu bestehen und einen solchen Berg auf Skiern hinab zu fahren – eine
sensationelle Leistung, der „Mount St. Elias“ ein Denkmal setzt.
Doch mit Peter Ressmann war das Schicksal nicht gnädig: Im Mai diesen
Jahres verunglückte der Bergführer bei einer Routineaktion. Ihm ist
der Film gewidmet. |