Der indische Film ist der erfolgreichste
der Welt. Und der absolute Überstar dieses „Bollywood-Kinos“ ist
Shah Rukh Khan - eine Art Elvis und Michael Jackson in Personalunion
und dann auch noch lebendig! Dies nur, um „My Name is Khan“ für die
Uneingeweihten einzuordnen. Die richtigen Fans hatten schon zur Berlinale
Premierenkarten zu unglaublichen Preisen ersteigert. Nun hat Shah
Rukh Khan mit „My Name is Khan“ einen sehr politischen und gleichzeitig
herrlich kitschigen Bollywood-Film hingelegt. Shah Rukh Khan zeigt
als Rizvan Khan in „My Name is Khan“ den USA und der ganzen Welt,
dass nicht jeder Muslim ein Terrorist ist. Zudem erweist sich der
naive Held als moralisches Vorbild für die Amerikaner. In der Tradition
Bollywoods geht das selbstverständlich nicht ohne ein großes Liebesdrama
und einige Lieder ab. |
Indien
/ USA 2010
- 126 Min.; ab 12;
Regie: Karan Johar;
Darsteller: Shah Rukh Khan, Kajol Devgan, Jimmy Shergill, Zarina Wahab,
Arif Zakaria, Sheetal Menon, Tanay Chheda, Arjun Mathur, Christopher
B. Duncan, Soniya Jehan, Vinay Pathak.
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Das ebenso unglaublich politische wie herrlich kitschige
Drama „My Name is Khan“ zeigt Superstar Shah Rukh Khan als indischen
„Rainman“ und als heiligen Narr, der zum moralischen Retter der USA
wird. Seine Figur Rizvan Khan leidet am Asperger-Syndrom, einer milden
Form von Autismus. In der Jugend muss Rizvan Khan in Indien blutige
religiöse Massaker zwischen Hindus und Moslems miterleben. Doch seine
liebevolle und fürsorgliche Mutter lehrt ihn, dass es nur zwei Arten
von Menschen gibt - gute und schlechte. Jahre später ist Rizvan in
den USA glücklich mit einer Traumfrau (Kajol) verheiratet, als die
Anschläge vom 11. September 2001 eine Welle des Hasses gegen alles,
was muslimisch sein könnte, auslösen. Sein hinduistischer Stiefsohn
Sam wird aufgrund des angenommenen Nachnamens Khan von weißen amerikanischen
Mitschülern ermordet und in seiner verzweifelten Einfalt will Rizvan
allen, vor allem aber dem Präsidenten Bush klarmachen: „Mein Name
ist Khan, ich bin kein Terrorist.“ Seine Reisetätigkeit auf den Spuren
von Bush rufen allerdings die Sicherheitsdienste auf den Plan...
„My Name Is Khan“ beginnt seine - in der Originalversion - fast
drei prallen Filmstunden packend und politisch. Spätestens wenn die
Liebe zwischen Rizvan und Mandira (Superstar Kajol Devgan) ausbricht,
ist dieser amerikanisch-indische Film wieder in Bollywood angekommen.
Zwar fehlen die Tanzeinlagen und es gibt relativ wenige Lieder, doch
hier traut man sich, die Gefühle viel deutlicher heraus zu schreien
und die Schmetterlinge im Bauch blumiger auszumalen. Hier hebt Film
richtig ab. Trotz heftigster Überzeichnungen und eines sehr freien
Umgangs mit der Krankheit des Helden ist der Aufruf zur Verständigung
überzeugend. Scheinbar spielerisch leicht gelingt es dem Film, Politisches
und Banales miteinander zu verbinden. Zudem ist „My Name Is Khan“
im Vergleich zu vielen anderen Versuchen eine überzeugende US-Adaption
des Bollywood-Films. Den hier werden nicht nur Hintergründe und Schauspieler
„verwestlicht“, hier wird das universelle Thema der (mangelnden)
Verständigung in seiner us-amerikanischen Ausprägung mit den Mitteln
von Bollywood eindrucksvoll präsentiert. Das Schauspiel von Shah
Rukh Khan trägt dazu besonders bei: Ihm gelingt es, den für Außenstehende
geistig behinderten Rizvan mit Menschlichkeit und viel Humor darzustellen,
ohne ihn lächerlich zu machen. Man kann Shah Rukh Khan auch das politische
Engagement glauben - bei allem Überkitsch, der zu diesem Kino gehört.
Denn parallel zur Euro-Premiere riskierte Khan daheim seinen Ruhm,
indem er sich für pakistanische Spieler in Indiens Kricket-Liga ausgesprochen
hat, worauf extremistische Hindus heftig protestierten.
„My Name Is Khan“ ist großes Spektakel und mehr. Damit nicht nur
für die zahlreichen Khan-Fans ein ganz spezieller Stoff. Der Film
kommt leider nur in einer um ganze 40 Minuten gekürzten Fassung in
die deutschen Kinos. Das wird einige der Fans verschrecken, die sich
dann für die volle Khan-Dröhnung auf dem internationalen DVD-Markt
bedienen. |