Beiläufig großartig. Einer der
besten Filme des Jahres.
Der Spiegel
Bis keine Emotion mehr entweichen
kann: Der Berlinale-Sieger von Asghar Farhadi besticht durch die
Dichte seines Erzählgewebes. Präzise und facettenreich erzählt er
ein Familiendrama, das unter den vielen Kleinproblemen fast nebenbei
abläuft. Ein Ausnahmefilm über den lebensfeindlichen Ayatollah-Staat
Iran.
Süddeutsche Zeitung
Es geht um die Herstellung von Gerechtigkeit,
um Lügen, die einen vielleicht vor dem Buchstaben des Gesetzes bewahren
und um das, was an Wahrheit dazwischenliegt. Farhadi verknüpft diese
Fäden meisterlich zum Familien- und Sozialpanorama, das allen involvierten
Parteien gerecht wird, ohne ihre Widersprüche zu versöhnen. Herausragend.
Tip Berlin
Eine große, mitreißende Tragödie um eine zerbrechende
Liebe, ein verlorenes Leben und die Frage, wie Moderne und Strenggläubigkeit
im heutigen Teheran zusammengehen. Fast perfektes Kino.
KulturSPIEGEL
Es regnete Bären: bester Film,
bestes weibliches und männliches Darsteller-Ensemble. Die Jury zeichnete
mit „Nader und Simin – eine Trennung“ einen Film aus, der bei der
Berlinale 2011 alles überstrahlte. Asghar Farhadi taucht tief in
den iranischen Alltag ein und zeichnet mit klaren Linien das Bild
einer verfahrenen Lage. Das ist nicht nur aufschlussreich und kunstvoll
gebaut, sondern berücksichtigt auch die Unterhaltungsbedürfnisse
des Publikums. Dank Drehbuch und Timing schwingt sich die simple
Trennungsgeschichte zu großem Kino auf, ein intensives Drama, spannend
bis zum Schluss.
Asghar Farhadi hat einen besonders scharfen
Blick für die alltäglichen Paradoxien, die das Nebeneinander von
Modernität und archaischem Gesetz in seiner iranischen Heimat provoziert.
Die bürgerlichen Helden seiner Filme müssen immer wieder erleben,
wie im Widerstreit von privater und öffentlicher Moral (und der Unaufrichtigkeit,
die daraus resultiert) ihre Identitäten brüchig werden: „Fireworks
Wednesday“ inszenierte diesen Konflikt als tragikomisches Ehedrama,
„About Elly“ als alptraumhaften Wochenend-Trip der Teheraner Bourgeoisie.
Ambivalenz statt gefälligerer Eindeutigkeit ist das Ziel dieser Erzählungen,
was den nicht unbedeutenden Nebeneffekt hat, dass sie, immer mindestens
doppelt lesbar, im Iran selbst so erfolgreich sind wie auf westlichen
Festivals. Nader und Simin lernt man bei einem Scheidungstermin beim
Familienrichter kennen – die erste von zahlreichen formellen und
informellen Verhandlungen, die den Lauf des Films prägen. Modellhaft
ist schon da, dass sich die Motive für die Scheidung, die Simin anstrebt,
nicht in der Sprache des Gesetzes formulieren lassen: Simin will
mit ihrem Mann und der zwischen den beiden Eltern hin und her gerissenen,
halbwüchsigen Tochter aus dem Iran ausreisen, mit einem Visum, das
bald abläuft. Doch weil ihr Mann nicht einwilligt, braucht sie nun
eine beurkundete Trennung. Nader hingegen will seinen alzheimerkranken
Vater nicht verlassen, auch wenn er die größten Schwierigkeiten hat,
dessen Pflege auch nur für eine Woche alleine zu organisieren. In
seinem Ungeschick engagiert er eine strenggläubige Frau aus prekären
Sozialverhältnissen, die ein paar Tage später, nach einem Streit
an der Wohnungstür, im Krankenhaus landet, was den nicht ganz unschuldigen
Nader erneut vor Gericht bringt. Bürgerliche und fundamentalistische
Codes, Sharia-Gesetz, Familienloyalität, Ehrgefühl und eheliche Solidarität
sind nur einige der Ebenen, die sich verschränken, während sich langsam
der tatsächliche Ablauf des Geschehens aus den wechselnden Darstellungen
herausschält. Es geht um die Herstellung von Gerechtigkeit, um Lügen,
die einen vielleicht vor dem Buchstaben des Gesetzes bewahren und
um das, was an Wahrheit dazwischenliegt. Farhadi verknüpft diese
Fäden meisterlich zum Familien- und Sozialpanorama, das allen involvierten
Parteien gerecht wird, ohne ihre Widersprüche zu versöhnen.
Robert
Weixlbaumer tip-Bewertung: Herausragend