Mit dem Kassenknüller „Willkommen bei den Sch'tis“ brach Dany Boon sämtliche Kinorekorde in Frankreich. Seine neue turbulente Komödie „Nichts zu verzollen“ wiederholt sein Erfolgsrezept von Kulturunterschied und Universalismus gekonnt. Erneut beweist der nordfranzösische Komiker und Autorenfilmer sein untrügliches Gespür für groteske Situationskomik und Sprachwitz. Diesmal spielt das 44jährige Allroundtalent mit den Vorurteilen an der französisch-belgischen Grenze, die durch die innereuropäische Grenzöffnung erst einmal kräftig geschürt werden. Das Multitalent verliert bei dieser begnadet bissigen Posse jedoch keinen Moment seinen liebevollen Blick auf menschliche Schwächen.

Originaltitel: Rien à déclarer;
Frankreich 2011 - 108 Min.; ab 12;
Regie: Dany Boon;
Darsteller: Dany Boon, Benoît Poelvoorde, Julie Bernard, François Damiens, Karin Viard, Bouli Lanners, Eric Godon, Philippe Magnan, Laurent Gamelon
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„Lieber Gott mach“, betet Ruben Vandervoorde (Benoît Poelvoorde) inbrünstig in der Kirche, „dass es nie ein grenzenloses Europa gibt“. Der stolze belgische Zöllner fürchtet nichts mehr als die Invasion der „Camemberts“ in sein geliebtes Land. Sein antifranzösischer Diensteifer kommt in dem kleinen Ort Courquain an der belgisch-französischen Grenze aber nicht mehr gut an. Vor allem im Jahr 1993, kurz vor dem Schengener Abkommen, mit dem die innereuropäischen Grenzen fallen sollen. Um zu beweisen, dass dieser Schritt der EU-Politiker nur falsch sein kann, sorgt der cholerische Ruben mit übertrieben strengen Kontrollen für kilometerlange Staus am Grenzübergang. Gnadenlos schikaniert er harmlose französische Autofahrer.
Als der frankophobe Grenzbeamte dann auch noch gezwungen ist, mit seinem französischen Kollegen und Gegenspieler Mathias Ducatel (Dany Boon) zusammenzuarbeiten, scheint das Maß voll. Denn in den Köpfen der beiden Dickschädel ist das geeinte Europa längst noch nicht angekommen. Zusammen sollen sie zum mobilen französisch-belgischen Patrouillendienst „Douanes Internationales“ antreten, um auf einsamen Landstraßen Drogenschmuggler zu jagen. Doch in ihrem klapprigen R4 samt pummeliger Promenadenmischung wirkt das Duo kaum wie Super-Cops im Außeneinsatz. Zudem trifft Mathias sich heimlich seit einem Jahr mit Rubens Schwester Louise (Julie Bernard). Das Paar traut sich jedoch nicht, sein Verhältnis der fremdenfeindlichen Familie zu beichten.
Der belgische Komiker Benoît Poelvoorde Poelvoorde („Mann beißt Hund“, „Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft“) fühlt sich sichtlich wohl in seiner Law and Order-Rolle. Die erstaunliche Mimik und Körpersprache des Universalgenies erinnert streckenweise an die grotesk grandiosen Auftritte des französischen Starkomikers Louis de Funès, der in seinen Rollen den Typus des schnell verärgerten, tobsüchtigen Spießers bravourös variierte. Auch sonst überrascht die temporeiche Komödie mit Actionszenen nach dem Vorbild der klassischen Gendarmen-Filmreihe der französischen Ikone des humoristischen Kinos. Vorurteile sind so alt wie die Menschheit. Aus diesem Wissen schlägt auch Dany Boons zweiter pointierter Kinoschwank absurdes Kapital. Trotz allem liefert der sympathische nordfranzösische Standup-Comedian, der erneut sein Talent vor und hinter der Kamera beweist, dabei keine streng moralische Lektion ab. Sein anrührender und schelmenhafter Blick in die tragikomische Welt des rassistischen Kleingeistes unterhält und macht nachdenklich. Ein Wunderwerk des komischen Schreckens, unterstützt von einem glänzenden Schauspielerensemble und pfiffigen Gags, die über vorhersehbaren Klamauk hinausgehen. Selbst die synchronisierte Fassung schafft es, das Feuerwerk an aberwitzigen Humor zu entfachen.

Luitgard Koch (programmkino.de)