Originaltitel:
Rien à déclarer;
Frankreich
2011 -
108 Min.; ab 12;
Regie: Dany Boon;
Darsteller: Dany Boon, Benoît Poelvoorde, Julie Bernard, François Damiens,
Karin Viard, Bouli Lanners, Eric Godon, Philippe Magnan, Laurent Gamelon.
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„Lieber Gott mach“, betet Ruben Vandervoorde
(Benoît Poelvoorde) inbrünstig in der Kirche, „dass es nie ein grenzenloses
Europa gibt“. Der stolze belgische Zöllner fürchtet nichts mehr als
die Invasion der „Camemberts“ in sein geliebtes Land. Sein antifranzösischer
Diensteifer kommt in dem kleinen Ort Courquain an der belgisch-französischen
Grenze aber nicht mehr gut an. Vor allem im Jahr 1993, kurz vor dem
Schengener Abkommen, mit dem die innereuropäischen Grenzen fallen
sollen. Um zu beweisen, dass dieser Schritt der EU-Politiker nur
falsch sein kann, sorgt der cholerische Ruben mit übertrieben strengen
Kontrollen für kilometerlange Staus am Grenzübergang. Gnadenlos schikaniert
er harmlose französische Autofahrer.
Als der frankophobe Grenzbeamte
dann auch noch gezwungen ist, mit seinem französischen Kollegen und
Gegenspieler Mathias Ducatel (Dany Boon) zusammenzuarbeiten, scheint
das Maß voll. Denn in den Köpfen der beiden Dickschädel ist das geeinte
Europa längst noch nicht angekommen. Zusammen sollen sie zum mobilen
französisch-belgischen Patrouillendienst „Douanes Internationales“
antreten, um auf einsamen Landstraßen Drogenschmuggler zu jagen.
Doch in ihrem klapprigen R4 samt pummeliger Promenadenmischung wirkt
das Duo kaum wie Super-Cops im Außeneinsatz. Zudem trifft Mathias
sich heimlich seit einem Jahr mit Rubens Schwester Louise (Julie
Bernard). Das Paar traut sich jedoch nicht, sein Verhältnis der fremdenfeindlichen
Familie zu beichten.
Der belgische Komiker Benoît Poelvoorde Poelvoorde
(„Mann beißt Hund“, „Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft“)
fühlt sich sichtlich wohl in seiner Law and Order-Rolle. Die erstaunliche
Mimik und Körpersprache des Universalgenies erinnert streckenweise
an die grotesk grandiosen Auftritte des französischen Starkomikers
Louis de Funès, der in seinen Rollen den Typus des schnell verärgerten,
tobsüchtigen Spießers bravourös variierte. Auch sonst überrascht
die temporeiche Komödie mit Actionszenen nach dem Vorbild der klassischen
Gendarmen-Filmreihe der französischen Ikone des humoristischen Kinos.
Vorurteile sind so alt wie die Menschheit. Aus diesem Wissen schlägt
auch Dany Boons zweiter pointierter Kinoschwank absurdes Kapital.
Trotz allem liefert der sympathische nordfranzösische Standup-Comedian,
der erneut sein Talent vor und hinter der Kamera beweist, dabei keine
streng moralische Lektion ab. Sein anrührender und schelmenhafter
Blick in die tragikomische Welt des rassistischen Kleingeistes unterhält
und macht nachdenklich. Ein Wunderwerk des komischen Schreckens,
unterstützt von einem glänzenden Schauspielerensemble und pfiffigen
Gags, die über vorhersehbaren Klamauk hinausgehen. Selbst die synchronisierte
Fassung schafft es, das Feuerwerk an aberwitzigen Humor zu entfachen.
Luitgard Koch (programmkino.de) |