Die Erstbesteigung der Eiger Nordwand ist der erklärte Traum für alle Bergsteiger. 1936 wagen die Bayern Toni Kurz und Andi Hinterstoisser den Wahnsinnsakt. Während der Vorbereitungen treffen sie auf Tonis Jugendliebe Luise, die als Journalistin über die Erstbesteigung berichten soll. Toni liebt Luise immer noch, aber sie scheint ihrem Kollegen Arau zu erliegen. Verzweifelt beginnt Toni mit Andi den Aufstieg, die Österreicher Willy Angerer und Edi Rainer sind ihnen auf den Fersen. Nach gutem Beginn verlieren die Bergsteiger die Kontrolle. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.
D 2008 - 121 Min.; ab 12
Regie: Philipp Stölzl;
Darsteller: Benno Fürmann, Johanna Wokalek, Florian Lukas, Simon Schwarz, Georg Friedrich, Ulrich Tukur, Erwin Steinhauer, Petra Morzé, Hanspeter Müller-Drossaart.

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Während Klassiker des in den Zwanziger- bis Vierzigerjahren populären Genres von Arnold Fanck bis Luis Trenker auf überwältigende Landschaftspanoramen und echte Bergsteiger setzten, gibt der auch als Clip- und Opernregisseur aktive Stölzl dem Überlebenskampf seiner Figuren in Großaufnahme und populären deutschen Schauspielern den Vorzug. Der hochdramatische Stoff um einen Erstbesteigungsversuch der Nordwand basiert zum Teil auf Tatsachen. Die Kletterei wurde damals von den Nazis zum Wettlauf der Völker stilisiert. Das von mehreren Autoren bearbeitete Drehbuch skizziert die Protagonisten Toni Kurz und Andi Hinterstoisser als patente Burschen und Buddies, die mit Nazi-Gedankengut nichts am Hut haben. Benno Führmann ernst melancholisch und Florian Lukas als sein (lebens-)lustiger Gegenpart mühen sich zwar ein wenig mit dem Dialekt, funktionieren aber perfekt als Identifikationsfiguren. Präsenz haben Georg Friedrich und Simon Schwarz als österreichische Seilschaft, die den Deutschen erst fiese Kletterkonkurrenten und später tragische Schicksalsgenossen sind. Schauspielerisch läuft Ulrich Tukur allen den Rang ab. Er gibt den jovial-großkotzigen Chefredakteur, der sich mit einer Nachwuchsjournalistin ins Nobelhotel gegenüber dem Eiger quartiert, um das Ereignis für sein Berliner Blatt zu covern. Die von der baldigen "Päpstin" Johanna Wokalek gespielte junge Frau war mit Toni liiert und gibt der Geschichte einen Rahmen: Jahre später blättert sie als Fotografin in New York Tonis Bergtagebuch durch. Bei der gelungen-intensiven Schilderung des nackten Überlebenskampfs der Bergsteiger gegen die Naturgewalten bleibt die Kamera von Kolja Brandt meist nah an den Figuren dran, um die Dramatik zu unterstreichen, und zeigt selten das Bergmassiv in der Totalen. Die fast Schwarz-Weiß wirkenden Bilder des nächtlichen Schneesturms werden klassisch und effektiv gegengeschnitten mit Aufnahmen in warmen Farben vom brennenden Kaminfeuer im holzgetäfelten Hotel.

Der Orchester-Score unterstreicht den Anspruch zum Epos. Die Szene, die den Zuschauer am meisten packt, ist ohne Ton, ein Verzweiflungsschrei eines der Protagonisten. An ihre Dramatik reicht nicht mehr ganz die am stärksten zugespitzte, tragische Sequenz heran: Wenn Wokaleks Luise ihrem halberfrorenen Toni entgegenklettert und ihn kurz vor der möglichen Rettung sterben sieht. Dass sie nicht restlos glaubhaft wirkt, mag auch an der Maske liegen, die ein bisschen zu dick aufträgt und Fürmann, im Gesicht und am Körper mit Erfrierungen übersät, fast in einen Zombie verwandelt. Trotz solcher minimalen Mängel gelingt das Unterfangen, einen zeitgenössichen Bergfilm fürs große Publikum zu liefern. Der Spannungsbogen hält über zwei Stunden, und auch die Produktionswerte können sich sehen lassen. Die Bergaufnahmen wirken authentisch, weil viel an Originalschauplätzen gedreht wurde, bei Ausstattung, Kostüm samt Equipment arbeiteten die Abteilungen überaus liebevoll bis ins kleinste Detail. Aus dem dramatischen Stoff hätte man vielleicht noch mehr machen können, bei der Uraufführung in Locarno war das Publikum restlos begeistert.