"Regisseur Sönke Wortmann überzeugt
in einer piktoralen Wucht, die man so nicht von ihm kannte."
Frankfurter
Rundschau
"Man folgt der Vorlage ziemlich genau."
taz
"Unterhaltsam und humorvoll genug inszeniert"
SZ
"Die Päpstin" ist ein
spannendes, atmosphärisch stimmiges Kinoerlebnis, dem man die Handschrift
eines Regisseurs mit Blick für stilsichere Details und straffe Handlungsführung
ansieht. Nur der katholischen Kirche dürfte der Film nicht gefallen.
Aber das kann Sönke Wortmann mit Sicherheit verschmerzen.
Cinema
Opulente Leinwandadaption des
gleichnamigen Weltbestsellers von Donna Woolfolk Cross. Im Jahr 814
scheint das Leben von Johanna von in jedem Schritt fremd- und vorbestimmt:
arbeiten, Kinder kriegen und früh sterben. Doch Johanna lehnt sich
auf, gegen den strengen Vater, gegen die Regeln der Kirche und der
Gesellschaft in der sie lebt. In Dorstadt besucht sie die Domschule
und begegnet Graf Gerold, einem Edelmann am Hofe des Bischofs. Aus
ihrer Freundschaft wird Liebe. Als Gerold in den Krieg zieht, erinnert
sich Johanna ihrer Bestimmung. Ihr Ziel aber kann sie als Frau nicht
erreichen. Johanna trifft eine folgenreiche Entscheidung: Unter dem
Namen Bruder Johannes tritt sie als Mann verkleidet ins Benediktinerkloster
Fulda ein. Sie steigt in der kirchlichen Hierarchie immer weiter
auf – und wird schließlich zur Nachfolgerin von Papst Sergius gewählt... |
Prädikat:
besonders wertvoll;
Deutschland
/ Großbritannien / Italien / Spanien 2009 - 149 Min.; ab
12;
Regie: Sönke Wortmann;
Darsteller:
Johanna Wokalek, David Wenham, John Goodman, Iain Glen, Anatole Taubman,
Jördis Triebel, Jördis Triebel, Claudia Michelsen.
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Movie Database |
Wenn Frauen über zu viel Wissen verfügen, schrumpft ihre Gebärmutter.
Und weil Frauen möglichst viele Kinder in die Welt setzen sollen,
sorgt der Klerus dafür, dass die Weibchen hübsch am Herd bleiben
und von jeder schulischen Ausbildung ferngehalten werden. Eine, die
sich mit diesen Umständen nicht abfinden mag, ist die Pfarrerstochter
Johanna von Ingelheim. Sie liest gern, ist an der Heilkunde interessiert
und versteht sich auf die Auslegung von Bibelversen. Damit erwirbt
sie die Gunst eines Lehrmeisters aus der nahen Domschule. Fortan
gibt sich Johanna als Mann aus. Als Mönch verkleidet, wird sie zum
Teil des religiösen Patriarchats mit seinen engstirnigen Moralvorstellungen
- ihr Weg wird sie bis ganz an die Spitze führen, auf den Thron des
Heiligen Vaters im fernen Rom.
Diese spektakuläre Story erzählt Sönke Wortmann ("Das Wunder
von Bern") in seinem historischen Monumentalepos "Die Päpstin",
das auf dem gleichnamigen Bestseller der US-Autorin Donna Woolfolk
Cross basiert. Es ist die Geschichte einer frühen Jeanne d'Arc, einer
unerschrockenen Kämpferin gegen verkrustete Machtverhältnisse und
bigotte Autoritäten. In Johanna Wokalek, der Gudrun Ensslin aus "Der
Baader Meinhof Komplex", hat Wortmann seine ideale Johanna von
Ingelheim gefunden. Sie verkörpert die Figur mit der nötigen Mischung
aus emanzipatorischem Ehrgeiz, Stolz und Verletzlichkeit. Wenn die
Frau in Mönchskluft nach ihrer Lehrzeit im Kloster zu Fulda in die
höchsten Kreise der römischen Amtskirche aufsteigt, droht ihr sorgsam
gehütetes Geheimnis jederzeit aufzufliegen. Zumal Johanna in der
Ewigen Stadt erneut auf ihre Jugendliebe, den stattlichen Ritter
Gerold ("Faramir" David Wenham), trifft. Die Leidenschaft
der beiden flammt erneut auf, ausgerechnet unter dem Dach von Gottes
Stellvertreter auf Erden entwickelt sich eine mehr als verbotene
Liebe. Noch dazu erkrankt der amtierende Papst Sergius (immer eine
Wucht: John Goodman) schwer, der in der Schlangengrube des Lateranpalasts
als eine Art väterlicher Beschützer Johannas fungiert - ohne von
ihrer wahren Identität zu wissen. Als Sergius nach schwerer Krankheit
stirbt, wähnt sich der schlitzohrige Intrigant Anastasius (Bond-Bösewicht
Anatole Taubman) bereits als sicherer Nachfolger, doch zu aller Erstaunen
kommt es anders: Johanna wird zum Papst gewählt. Habemus mamam!
Ob die Geschichte wahr ist oder nicht, ist umstritten, aber relativ
unwichtig, denn "Die Päpstin" erzählt eine universelle
Parabel vom Aufbegehren des Einzelnen gegen eine Tyrannei der Mehrheit.
Erstmals wurde der Stoff 1972 mit Ingmar-Bergman-Star Liv Ullman
als Titelheldin verfilmt - allerdings in einer völlig verkopften
Schwurbelfassung, die man heutigen Zuschauern nicht zumuten könnte,
wie Wortmann weiß.
Auch die neue "Päpstin" wäre möglicherweise etwas nüchterner
und akademischer ausgefallen, wenn der ursprünglich vorgesehene Regisseur
Volker Schlöndorff ("Die Blechtrommel") sich nicht wegen
einer undiplomatischen Grundsatzdebatte mit den Produzenten zerstritten
hätte. Oscar-Preisträger Schlöndorff wurde gefeuert, Fußballfilmer
Wortmann sprang von der Ersatzbank ein und brachte sogar ein eigenes
Drehbuch mit. Unter seiner Direktive geriet das sakrale Mittelalterstück
zu einer großen Abenteuerromanze um Liebe, Treue und Verrat. Das
emanzipatorische Grundmotiv des Donna-Cross-Romans wird nie überbetont,
ist aber allgegenwärtig. Die rasant gefilmten Schlachtenszenen mit
den fränkischen Reitern setzen effektvolle Kontraste zu den Dialoggefechten
am päpstlichen Hof und der prunkvollen Ausstattungsoptik der 22-Millionen-Euro-Produktion.
Wortmann orientiert sich eng an der literarischen Vorlage, Kennern
des Buchs wird allerdings auffallen, dass die Steinigung am Ende
fehlt, die der Regisseur aus dramaturgischen Gründen aussparte.
"Die Päpstin" ist ein spannendes, atmosphärisch stimmiges
Kinoerlebnis, dem man die Handschrift eines Regisseurs mit Blick
für stilsichere Details und straffe Handlungsführung ansieht. Nur
der katholischen Kirche dürfte der Film nicht gefallen. Aber das
kann Sönke Wortmann mit Sicherheit verschmerzen.
Fazit: Starbesetztes, opulentes Historiendrama von internationaler
Klasse, basierend auf einem modernen Bestseller der Emanzipationsliteratur.
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