Nach dem überwältigenden Erfolg von "Die Kinder des Monsieur Mathieu", der in Deutschland die Herzen von über einer Million Kinobesucher eroberte, präsentiert Regisseur Christophe Barratier mit seinem neuen Werk ein Fest für Auge und Ohr, das nicht nur die vielen Liebhaber der französischen Hauptstadt begeistern wird.
(Faubourg 36)
F/D 2008 - 120 Min.; ab 6;
Regie: Christophe Barratier;
Darsteller:
Gérard Jugnot, Clovis Cornillac, Kad Merad, Maxence Perrin, Pierre Richard, Nora Arnezeder.

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Chansons, die Seine und l’amour. Dieses Paris-Bild stimmt zwar heute nicht mehr (wenn es denn jemals gestimmt hat), spukt aber noch als nostalgische Reminiszens in vielen Köpfen herum. Christophe Barratiers poetisch gefärbter Blick auf das Paris der 1930er Jahre erfüllt die Sehnsucht und führt in die kleine überschaubare Welt des Faubourg, dahin wo eine klare Linie zwischen Gut und Böse verläuft, zwischen Geld und Gefühl, zwischen denen “da oben” und denen “da unten”. “Der sieht gar nicht wie ein Mörder aus”, murmelt der Polizist beim Verhör von Pigoil, dem Prinzipal des Musiktheaters “Chansonia”. Und der naiv dreinschauende rundliche Mann erzählt seine Geschichte.
Die beginnt am Silvesterabend 1935. Auf der Bühne tobt das Leben, hinter den Kulissen fliegen die Fetzen: Der kommunistische Arbeiterführer Milou ruft zum Streik wegen ausstehender Löhne auf, Pigoils Frau läuft mit dem Star des Ensembles davon, und der Theaterdirektor erschießt sich um Mitternacht, weil er dem erpresserischen Miethai Galapiat Geld schuldet. Das Ende der legendären Bühne scheint eingeläutet. Aber nicht mit uns, sagen sich die Mitarbeiter, besetzen im Frühjahr das Etablissement und bringen den Bösewicht Galapiat dazu, sie zu dulden - nicht aus Gutmütigkeit, sondern um als Gutmensch seine Chancen in der Politik zu steigern.
Ohne großes Budget melden sich aber nur Laien für die Auftritte, einzig eine junge Sängerin kann die Zuschauer begeistern, um deren Gunst buhlen ausgerechnet die Feinde Galapiat und Milou - mit fatalen Konsequenzen. Die Hauptfigur spielt wie in “Die Kinder des Monsieur Mathieu” erneut Gérard Jugnot, ein armer und ehrlicher Hund. Um diese liebenswürdige Gestalt drapiert Barratier markante Charaktere wie den tragikomischen, mit den Faschisten liebäugelnden Imitator Jacky (Kad Merad aus “Willkommen bei den Sch`tis”), den “roten” Milou oder den spleenigen Eremiten “Monsieur Radio” (Pierre Richard).
Barratiers Liebeserklärung an ein Paris der Fantasie (das Filmset wurde in der Nähe von Prag gebaut), bei dem politische und gesellschaftliche Wirklichkeit nur als folkloristische Folie dienen, ist ein alles verzaubernder Tanz, eine gelungene Paarung aus wunderschönem Kitsch und herzerwärmendem Klischee, überzogen mit großen Emotionen. Historisch wichtige Fakten werden “en passant” gestreift, es geht vor allem um ein emotionsreiches Sittengemälde mit Werten wie Solidarität und sozialer Gerechtigkeit, um den kleinen und respektablen Mann von der Straße, der auch nach härtesten Schicksalsschlägen mit neuer Kraft für seine Würde kämpft.
Die manchmal ganz unwirklichen Farben verdankt diese stilisierte Vision der Seinemetropole Clint Eastwoods Kameramann Tom Stern, der den Bildern eine traumhafte Magie verleiht, mag sie für Realisten vielleicht “zuckersüß” wirken. Dazu ein bunter Strauß Chansons - Paris-Liebhaber schwimmen im Glück. Süßspeisen tun eben manchmal der Seele gut.