"Herausragendes historisches Drama." KinoKino
"Sensationell gut!" Arte
"Großes Kino!" Bayernkurier
"Ein intelligenter, tief bewegender Film, wahrhaftig und poetisch … Die junge Paula Beer ist eine wirkliche Entdeckung!" Variety
"Man muss lange nachdenken, bevor man einen deutschen Film findet, der eine vergangene Epoche so authentisch auf die Leinwand bringt." Die Welt


Die 14jährige Oda kommt kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs auf das abgelegene Hofgut ihres Vaters in Estland. Während sich das Familienoberhaupt immer mehr in seine medizinischen Forschungen an Toten hineinsteigert und mit den Russen sympathisiert, freundet sich Oda mit einem estnischen Anarchisten an, den sie versteckthält und dem sie helfen will. Der ganzen Familie wird klar: Nach diesem Sommer wird die Welt für alle Beteiligten eine andere sein. Chris Kraus liefert mit diesem historischen Epos ein beeindruckendes Sittengemälde rund um die Figur der Dichterin Oda Schäfer, die eine der bekanntesten Dichterinnen ihrer Zeit war. Die Kameraarbeit von Daniela Knapp ist herausragend und setzt das imposante Dekor auf eine schon fast malerische Art in Szene. Die junge Darstellerin der Oda, Paula Beer, ist eine wahre Entdeckung und spielt natürlich und mitreißend. Beigeordnete Handlungsstränge ergänzen den zentralen Konflikt rund um die Hauptfigur und werden durch eine stringent durchdachte Dramaturgie gekonnt miteinander verflochten. Eine mutig inszenierte zwischenmenschliche Tragödie von großer künstlerischer Kraft.

Deutschland / Österreich / Estland 2010 - 129Min.; ab 12;
Regie: Chris Kraus;
Darsteller: Paula Beer, Edgar Selge, Tambet Tuisk, Richy Müller, Jeannette Hain, Enno Trebs, Erwin Steinhauer, Gudrun Ritter.

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Schneller geht es wahrscheinlich nicht: Vor gut einer halben Stunde war die Uraufführung des neuen Films von Chris Kraus (zuletzt mit “Vier Minuten” in Hof erfolgreich) zu Ende und schon lehnen wir uns mit einer ersten Einschätzung ganz weit aus dem Fenster. So macht Bloggen Spaß. In diesem Fall muss man allerdings nicht besonders mutig sein, auch wenn man dem ersten Eindruck nach einer Festivalpremiere für gewöhnlich stets ein wenig misstrauen sollte. Bei diesem überwältigend schönen und wunderbar stimmigen Film ist eine Fehleinschätzung so gut wie ausgeschlossen. Die Geschichte der 14-jährigen Oda von Siering, die am Vorabend des I. Weltkrieges zu ihrem Vater auf den Familiensitz Poll an der baltischen Ostseeküste zurück kehrt, zu einem ebenso fanatischen wie skrupellosen Pathologen und Hirnforscher. Das allein ist schon eine überzeugende erzählerische Basis. Man mag kaum glauben, dass Chris Kraus für das von ihm selbst verfasste Drehbuch keine klassische Romanvorlage genutzt hat. Mit “Poll” spielt er nämlich in der obersten Liga der großen, epischen Filmerzählungen, man kann durchaus Filme wie die Ian-McEwan-Adaption “Abbitte” (2007) oder die Michael-Ondaatje-Verfilmung “Der englische Patient” (1996) zum Vergleich heranziehen, hinsichtlich der bildmächtigen Inszenierung einer morbiden, zerfallenden Gesellschaft auch gerne die Thomas-Mann-Verfilmung “Tod in Venedig”. Ohne allerdings dabei zu vergessen, dass “Poll” mit einem Budget von rund 9 Millionen Euro finanziell in einer anderen Liga zu suchen ist. Vielleicht ist auch deshalb alles so stimmig, weil Regisseur Kraus hier auch ein Stück seiner eigenen Familiengeschichte und der der Lyrikerin Oda Schaefer mit verarbeitet hat. Man weiß gar nicht, wo man mit dem Lob anfangen oder aufhören soll: Edgar Selge spielt als Odas Vater die Rolle seines Lebens. Jeanette Hain spielt seine zweite Frau, Richy Müller ihren ungeliebt Geliebten, Tambet Tuisk einen verwundeten estnischen Anarchist – alle großartig. Und Paula Beer ist als Oda schon die zweite große Entdeckung von Chris Kraus (nach Hanna Herzsprung). Oda beschließt, den verletzten Aufständischen zu verstecken und zu pflegen, obwohl das für sie und ihre ganze Familie dramatische Konsequenzen haben kann. Kraus tappt auch nicht in die Falles des Kostüms- oder Historienfilm, die außergewöhnliche Kulisse ist nie Selbstzweck, und der elegische Grundton wird von einer erzählerischen Distanz getragen, so dass es emotional, aber nicht sentimental zugeht. Es stimmt eben so gut wie alles hier, die Geschichte, die Schauspieler, die Bildgestaltung (Kamera: Daniela Knapp). Sogar die Musik – in diesem Genre oft viel zu dick aufgetragen – ist passend und genau richtig eingesetzt. Das ist alles nicht neu und auch keine innovative Filmsprache, aber schönstes, narratives Kino auf höchstem Niveau.