Ausgezeichnet mit 2 Oscars!
Beste Nebendarstellerin - Mo'Nique
Bestes Drehbuch

Ein Film mit einer schwarzen Seele und dem funky Sound direkt aus den Straßen Harlems. PRECIOUS ist eine berührende Cinderella-Story, die zeigt, dass oft vielmehr in uns steckt, als wir selbst vermuten. Basierend auf dem Bestseller "Push" von Sapphire, produziert von der Talk-Lady des amerikanischen Fernsehens Oprah Winfrey und inszeniert von Lee Daniels. Mit einer überraschenden Mariah Carey, die man so wirklich noch nie gesehen hat und dem Musiker Lenny Kravitz in einer ganz untypischen Besetzung.



USA 2009 - 109 Min.; ab 12
Regie: Lee Daniels;
Darsteller: Gabourey Sidibe, Mo'Nique, Aunt Dot, Paula Patton, Mariah Carey, Lenny Kravitz, Sherri Shepherd, Stephanie Andujar, Chyna Layne, Amina Robinson, Xosha Roquemore.

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Precious – Kostbar. So wird die Hauptfigur in Lee Daniels Film genannt. Reine Ironie, denn Precious ist zu Beginn des Films für niemanden wertvoll, niemand behandelt sie liebevoll, niemandem bedeutet sie etwas. Als stark übergewichtiges, eher unattraktives Mädchen hat sie es ohnehin schwer, ihre Mutter aber macht ihr das Leben zur Hölle. In einer Sozialwohnung hausen die beiden, die Mutter lebt von Sozialhilfe, sitzt den ganzen Tag vor dem Fernsehen und betrachtet ihre Tochter als ihr Eigentum. Zumal diese lange Jahre vom Vater vergewaltigt und geschwängert wurde, schon ein mongoloides Kind zur Welt gebracht hat und nun mit einem weiteren Kind schwanger ist. Weswegen Precious von ihrer Schule verwiesen wird, in der sie als Legasthenikerin und etwas dumm galt. Erst als sie die Möglichkeit bekommt, auf eine private Schule zu gehen, in der man sich um sie kümmert und fördert, beginnt Precious' stark gebrochene Emanzipationsgeschichte.

Subtil ist es wahrlich nicht, mit welcher Anhäufung von Schicksalsschlägen Lee Daniels seine Hauptfigur zeichnet. Man kann sich kaum ausmalen, was Precious noch alles zustoßen könnte, und wundert sich umso mehr, dass der Film dennoch funktioniert, dass die Emanzipationsgeschichte von Precious nicht wie ein typisches Hollywoodmärchen wirkt. Zu Beginn des Films flüchtet sich Precious immer wieder in Fantasiewelten, in der sie die Rolle der Prinzessin einnimmt, bewundert von erfolgreichen, schönen Männern, eben den Verheißungen der Traumfabrik folgend. Mit zunehmendem Verlauf werden diese Tagträume – die sich mit alptraumhaften Rückblenden zu Szenen des Missbrauchs abgewechselt hatten – immer seltener, bis sie schließlich ganz verschwinden.

Einmal mehr wird auch hier die Kraft der Bildung betont, werden Wissen und Bücher als Weg aus dem Elend aufgezeigt. Das mag ein Klischee sein, ein wahres zwar, aber doch eine Formel, die schon viele Filme mehr oder weniger erfolgreich benutzt haben. In „Precious“ funktioniert dieses Muster perfekt, was vor allem der außerordentlichen Leistung der Hauptdarstellerin Gabourey Sidibe zu verdanken ist. Wirkt sie zunächst gar nicht wie eine Schauspielerin, sondern mit ihrem massigen Körper, ihrer bisweilen kaum verständlichen Sprache, wie ein perfekt besetzter Typ, zeigt sich mehr und mehr die Subtilität ihrer Darstellung. Mit zunehmendem Selbstvertrauen wagt sie es, sich ihrer Mutter entgegenzustellen, sie herauszufordern und in die Schranken zu weisen. Dass dies nicht wie ein verklärtes Hollywood-Happy-End wirkt, ist bemerkenswert und dem zwar stilisierten, aber doch authentischen Blick zu danken, der den Film prägt. So schafft es Lee Daniels am Ende, eine mitreißende Emanzipationsgeschichte zu erzählen, die in keiner Weise beansprucht, universell zu sein, deren singuläre Figur aber dennoch für eine von vielen Möglichkeiten steht, sich aus dem Elend zu befreien.