Was den Fußballern nicht gelang, schaffte die deutsche Handballnationalmannschaft Anfang diesen Jahres: Weltmeister im eigenen Land zu werden. Und auch Regisseur Winfried Oelsner übertrifft das Vorbild „Sommermärchen“ mit seiner Dokumentation „Projekt Gold“ um Längen. Nicht zuletzt weil die Handballer ohnehin nicht so sehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, wie die Fußballer, ist Oelsners Film ein spannender Blick hinter die Kulissen des wechselvollen, am Ende aber überaus erfolgreichen WM-Turniers.
Sportfilm;
D 2007 - 106 Min.; ab 0;
Regie: Winnie Oelsner;
Darsteller: (Mitwirkende)
Heiner Brand, Mimi Kraus, Henning Fritz, Christian Schwarzer, Oliver Roggisch, Torsten Jansen, Andrej Klimovets, Lars Kaufmann.

www.projektgold.kinowelt.de

www.imdb.com

Was haben Politik und Handball gemeinsam? Nun, optimale Vorbereitung, den Gegner ernstnehmen – und: „Man muss immer auf der Hut sein!“ Sagte jedenfalls Angela Merkel, als sie sich im Juni ein Stündchen Zeit nahm und die deutsche Handball-Nationalmannschaft im Kanzleramt empfing. Vielleicht verfolgt unsere Regierungschefin ja auch demnächst im Kino, wie die Spieler um Trainer Heiner Brand bei der WM 2007 den Weg ins Finale schafften und gegen Polen gewannen. Denn am 4. Februar weilte Frau Merkel auf Staatsbesuch in Dubai und konnte „leider vor Ort in Köln“ nicht dabei sein. Sie verpasste nicht nur ein mitreißendes Spiel, sondern auch den Höhepunkt eines kollektiven Freudentaumels.
Deutschland, ein Wintermärchen. Was die Fußball-WM im Sommer 2006 ausgelöst hatte, wiederholte sich knapp sieben Monate später: Begeisterung allenthalben, selbst bei Menschen, die nie zuvor ein Handballspiel gesehen hatten, und wogende Fahnenmeere, wo immer die deutsche Mannschaft auftauchte. Als Außenseiter gestartet und in der Vorrunde kaum aufgefallen, wuchs das Team im weiteren Turnierverlauf allmählich über sich selbst hinaus – getragen von einer Masseneuphorie, die sich von Sieg zu Sieg unaufhörlich steigerte.

Die sagenhafte Stimmung vor und hinter den Kulissen dokumentiert Regisseur Winfried Oelsner ganz klassisch: Er zeigt die Mannschaft beim Konditionstraining, mit dem Motivations-Coach, in der Kabine – und mittendrin unübersehbar Schnauzbart Heiner Brand, der seine Spieler unaufgeregt in die Spur zwingt. Unsere Gold-Jungs kommen sympathisch und bescheiden rüber, das WM-Fieber wirkt selbst auf der Kinoleinwand noch ansteckend. Und wenn zum Schluss die Champagnerkorken knallen, fühlt man sich selbst ein bisschen wie Rocky nach einem gewonnenen Fight. Ohne nur einmal aufs Tor geworfen zu haben.