John Dillinger, Pretty Boy Floyd
und Baby Face Nelson waren zur Zeit der großen Depression die gefürchtetste
Gangsterbande der USA. Polizei und Staatsmacht konnten sich noch
so sehr anstrengen, die Räuber waren ihnen auf ihren Touren quer
durch die Banken immer einen Schritt voraus. J. Edgar Hoovers FBI
steckte noch in den Kinderschuhen und so lieferten sich Dillinger
(Johnny Depp) und Agent Melvin Purvis (Christian Bale) ein Katz-
und Mausspiel kreuz und quer durch das ganze Land. Thriller-Altmeister
Michael Mann ("Heat") kennt sich aus
im Gangstermillieu und verfilmt die Story der Dillinger-Bande als
spannenden Noir-Krimi für die große Leinwand. |
USA
2009 - 143 Min.; ab 12;
Regie: Michael Mann;
Darsteller:
Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard, Giovanni Ribisi, Billy
Crudup, Channing Tatum, Stephen Dorff, Stephen Graham, Bill Camp, Leelee
Sobieski, Randy Ryan, Shanyn Leigh.
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Manche Männer erkennen ihre Chance. Sie sehen, wie
für einen kurzen Moment historische Voraussetzungen zusammenfallen,
die etwas anbieten, was vorher so nicht möglich war und es später
nie wieder sein wird. John Dillinger war einer dieser Männer. In
den Monaten zwischen Mai 1933 und Juli 1934 räumte er zahllose Banken
aus und erwarb sich als erster in Amerika den Titel "Staatsfeind
Nummer 1".
Ermöglicht wurde ihm der Erfolg einerseits durch die
Depression. Das Land war in der Krise, die Banken allerdings, die
es dorthin gebracht hatten, waren noch mit Geld bestückt. Wer es
ihnen wegnahm, holte sich letztlich nur, was diese Banken bereits
gestohlen hatten - so sah es jedenfalls die Bevölkerung, und verbarg
keineswegs, dass ihre Sympathien auf der Seite Dillingers lagen.
Diese doch überraschend aktuelle Grundstimmung liefert nun auch den
Hintergrund für Michael Manns "Public Enemies", mit Johnny
Depp in der Rolle des legendären Gangsters.
John Dillinger wiederum
definierte sich auch selbst über seine Popularität. So unbekümmert
waren seine Coups, so nonchalant stellte er sich den Medien, dass
er bald mehr von Glamour umstrahlt war als alle Gesetzesvertreter.
Aus jeder Verfolgungsjagd ging er als Sieger hervor, immer waren
seine Autos neuer und schneller als die seiner Jäger.
Er nutzte die Schwerfälligkeit des Polizeiapparats, er nutzte gleichzeitig
die ungeschickte amerikanische Gesetzgebung der Zeit, die Verbrechensbekämpfung
noch allein als Sache der Bundesstaaten definierte. Oft brachte die
Flucht in den nächsten Staat einem Kriminellen schon den entscheidenden
Vorsprung. Verbrechen erschien Dillinger als die beste Berufswahl
- einfach, weil es kaum effiziente Gegenmaßnahmen gab.
Erst durch
Dillinger bekam J. Edgar Hoover die Rechtfertigung, sein FBI zur
mächtigen Bundesbehörde auszubauen, seine Agenten zur Armee aufzurüsten.
Erst Dillinger veranlasste die Polizei, Techniken einzusetzen, die
über das Observieren eines Hauseingangs hinausgingen.
Um diese Veränderungen
geht es dem Regisseur Michael Mann. Er lässt sich nicht allzu sehr
vom Charisma seiner Protagonisten blenden - weder von der Figur des
populären Gangsters, noch von Johnny Depp, der Dillinger eindrucksvoll
verkörpert. In der Unbedingtheit, mit der Gejagte das Garderobenmädchen
Billie Frechette (Marion Cotillard) zu seiner großen Liebe erwählt,
liegt zwar noch ein Moment ganz altmodischer, ungebrochener Gangsterromantik.
Aber
eher versucht Michael Mann doch, das Gefühl einer Ära zu beschwören,
die im Verschwinden begriffen ist - vor allem im Kontrast zu der
kühlen Rationalität des oberstes Dillinger-Verfolgers Melvin Purvis
(Christian Bale). So wird John Dillingers Verwandlung vom Revolverhelden
zum Staatsfeind deutlich - fast könnte man sagen, Michael Mann beobachtet,
wie der Western sich verabschiedet und zum Thriller wird.
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