Eine junge, drogenabhängige Frau
(Anne Hathaway) kehrt für wenige Tage anlässlich der Hochzeit ihrer
Schwester nach Hause zurück. Es dauert nicht lange und schon brechen
alte Wunden und Konflikte innerhalb der eigenen Familie wieder auf.
Nach Ausflügen in den Dokumentar- und Musikfilm versucht sich Regisseur
Jonathan Demme mit „Rachels Hochzeit“ an einer im puristischen „Dogma“-Stil
gehaltenen Charakterstudie. Deren emotionales Zentrum ist eine souverän
aufspielende Anne Hathaway, die hier wunderbar gegen ihr Sauberfrau-Image
besetzt wurde, was ihr unlängst eine Oscar-Nominierung als „Beste
Hauptdarstellerin“ einbrachte. |
Originaltitel:
Rachel Getting;
USA 2008 - 112 Min.; ab 12;
Regie: Jonathan Demme;
Darsteller: Anne Hathway, Rosemarie DeWitt, Bill Irwin, Tunde Adebimpe,
Mather Zickel, Anna Deavere Smith, Anisa George, Debra Winger.
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Kym kommt nach längerer Zeit zur Hochzeit ihrer Schwester
Rachel nach Hause zurück. Doch sie kommt nicht irgendwo her, sondern
aus einer Entziehungseinrichtung. Alkohol oder Drogen. Warum? Vor
Jahren sollte sie auf ihren kleinen Bruder Ethan aufpassen. Aber
sie war völlig zugedröhnt. Ethan ertrank. Verständlicherweise hat
Kym es nie geschafft, dieses Unglück zu überwinden. Jetzt also die
Hochzeit auf typisch amerikanische Art. Viele Freunde und Gäste,
Musiker, Hochzeitsplaner, tagelange Vorbereitungen, „Probeessen“,
Festzelt, Dekoration, Hektik. Kym hat ihr Gleichgewicht nie mehr gefunden.
Besonders das Verhältnis zu Rachel ist nicht das beste. Diese fühlt
sich zurückgesetzt, Kym ihrerseits glaubt ständig, sich entschuldigen,
rechtfertigen und auch schützen zu müssen. Sie ist gereizt, fast
bösartig. Dauernd kommt es zu Auseinandersetzungen mit Rachel. Der
Vater Paul hat alle Hände voll zu tun, die Streitigkeiten zu schlichten.
Dann die Heiratszeremonie und die anschließende Feier. Es ist ein
großes, ausgiebiges Fest – Empfang, Musik, Tanz, Diskussionsgrüppchen.
Kym wird nach dem Heiratstrubel wieder abreisen. Ein wenig Hoffnung
besteht – auf einen Arbeitsplatz, auf eine neue Liebe mit Freund
Kieran, auf die wieder aufkeimende Liebe zu ihrer Schwester. Jonathan Demme
hat da auf der Grundlage eines bereits prämierten Drehbuches von
Jenny Lumet – Tochter von Sidney Lumet – einen sehr lebendigen, fast
dokumentarisch-authentischen Film gedreht. Höhepunkte sind neben
dem oft improvisierten, aber gekonnt präsentierten Ablauf des Ganzen
die Schilderung der inneren und äußeren Nöte Kyms, die Auseinandersetzungen
mit der Schwester, die Dialoge, die Hochzeitsreden vor allem beim
Probeessen. Man ist gerne dabei. Gespielt ist das fabelhaft. Anne
Hathaway ist Kym. Seit „Der Teufel trägt Prada“ ist sie eine begehrte
Besetzung. Und auch in diesem Film spürt man warum. Die Golden-Globe-Nominierung
war kein Zufall. Gut dabei auch Rosemarie DeWitt als Rachel sowie
Bill Irwin als den Ausgleich suchenden Vater Paul. Und endlich wieder
die lange vermisste, aparte Debra Winger (hier als Pauls geschiedene
Frau Abby).
Wer zwei anregende Kinostunden sucht, ist hier richtig.
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