!Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhitzt er die bayerischen Gemüter: Der legendäre Räuber Kneißl. Während es sich die Obrigkeit zur ultimativen Aufgabe macht, den vermeintlichen Schwerverbrecher zur Strecke zu bringen, liebt das einfache Volk den `Hias`, der einer von ihnen ist und bis zuletzt jeder Ungerechtigkeit trotzt, die ihm wiederfährt. Denn wenn einer wie er keine Chance bekommt, in der Heimat ein rechtschaffenes Leben zu führen, wird er nichts unversucht lassen, mit seiner großen Liebe anderswo ein neues Leben zu beginnen: In Amerika! Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, und es geht um nichts geringeres, als um Leben und Tod.
D 2008 - 114 Min.; ab 12;
Regie: Marcus H. Rosenmüller;
Darsteller:
Maximilian Brückner, Brigitte Hobmeier, Maria Furtwängler, Michael Fitz, Florian Brückner, Thomas Schmauser, Andreas Giebel, Stefanie von Posselt .

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Außerhalb von Bayern dürfte Leben und „Werk“ des Mathias Kneißls, geboren 1875, mit nur 26 Jahren hingerichtet auf der Guillotine, kaum bekannt sein. 1970 drehte Reinhard Hauff einen Film über den Räuber, nun versucht sich der bayerische Regie-Shooting-Star Marcus H- Rosenmüller an der Mythologisierung Kneißls. In seiner Version – inszeniert nach einem Drehbuch von Karin Michalke und Christian Lerch, die bislang alle Rosenmüller Filme geschrieben, hier aber zum ersten Mal zusammengearbeitet haben – soll Kneißl zu einer tragischen Figur stilisiert werden, die durch die Kälte der Gesellschaft zu dem wurde, was sie ist.

Viel Zeit verbringt der Film mit der Darstellung der Lebensumstände der Familie Kneißl, die auf einem abgelegenen Hof lebt und früh ins Visier des Gesetzes kommt. Bei seiner Verhaftung wird der Vater von der Polizei zu Tode geprügelt, was die Söhne Mathias (Maximilian Brückner) und Alois (Florian Brückner) so aufbringt, dass sie gleich selbst ins Gefängnis gesteckt werden. Dort stirbt Alois, und Mathias steht nach seiner Entlassung vor der schwierigen Aufgabe, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Bald realisiert er, dass er wie ein Aussätziger behandelt wird, die Polizei Druck auf die Bevölkerung ausübt und jede Anstellung Kneißls verhindert. Mit seiner großen Liebe Mathilde (Brigitte Hobmeier) beschließt Kneißl nach Amerika auszuwandern und dort ein neues Leben zu beginnen. Doch dafür braucht er Geld und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

In der Realität begann für Kneißl eine mehrjährige Räuberkarriere, bei der er schwer bewaffnet zahllose Höfe überfiel und sich mit einem Komplizen jahrelang vor der Polizei versteckte. Im Film dagegen besteht die „Räuberkarriere“ aus genau einem Erpressungsversuch, bei dem Kneißl unabsichtlich zwei Polizisten tötet. Warum Kneißl in der Öffentlichkeit als Volksheld betrachtet wurde, sein Tun als ein Aufbegehren gegen die Obrigkeit betrachtet wurde, der Film vermag es nicht deutlich zu machen. Einerseits hakt das Drehbuch penibel die überlieferten Ereignisse aus Kneißls Leben ab, andererseits bleibt es in der Charakterisierung Kneißls und seines Umfeldes allzu skizzenhaft.

Immer wieder versucht Rosenmüller Bezüge zur klassischen Western-Mythologie herzustellen. Die auf Dauer penetrante Musik bedient sich „typischer“ Westernmelodien, die Kamera taucht die bayrischen Wälder in malerischen Licht, stellt die Figuren immer wieder als Silhouette vor den Horizont und wenn Kneißl mit Mathilda Fahrrad fährt, ist der Bezug zu „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ überdeutlich. So lebt der Film in erster Linie von einzelnen Szenen, getragen von den überzeugenden Darstellern und viel Lokalkolorit.

Das Rosenmüller sich einmal mehr nicht an ein überregionales Publikum anbiedert und seine Darsteller in schönstem Dialekt sprechen lässt, ist überaus sympathisch, dürfte die Verständlichkeit der Dialoge außerhalb Bayerns allerdings bisweilen schwer machen. Ohne Frage ist Rosenmüller in Deutschland ein Unikat, seine Produktivität und Vielseitigkeit bewundernswert. Die Folge ist allerdings eine Ungeschliffen-, ja Unausgereiftheit, die zwar meist sehr sympathisch ist, der Gesamtqualität der Filme allerdings abträglich ist. Dass ein Genrefilm wie „Räuber Kneißl“ in Deutschland entsteht, ist begrüßenswert, aber er hätte noch viel besser werden können.