"Ein politisch höchst unkorrektes Roadmovie, aber durchaus unterhaltsam."
Bayerisches Fernsehen KinoKino

"Eine witzige Abrechnung mit dem Thema Religion, wie man sie im Kino noch nie gesehen hat."
Kulturspiegel

"Amüsante, herrlich respektlose Doku-Satire."
Prinz

"Glaubwürdig!"
Süddeutsche Zeitung

Der US-amerikanische Komiker, Schauspieler, Schriftsteller und Fernsehproduzent Bill Maher, bekannt für seine Show "Politically Incorrect", ist einer der wenigen Comedians, die sich durch schlaue politische Satire auszeichnen. Mit seinem Kollegen Larry Charles reist er um die Welt, um seine polemische Sicht auf Religion zu offenbaren. An Orten wie dem Vatikan, Jerusalem oder Salt Lake City führt er Interviews über Glaube und Gott, verblüfft dabei mit analytischer Sachkenntnis.

"Borat"-Regisseur Larry Charles begleitet den scharfsichtigen amerikanischen Satiriker Bill Maher bei einer kritischen Reise zu Weltreligionen und obskuren Satanisten-Sekten. Maher provoziert in seinen Interviews mit viel Humor und Verstand, vermengt dabei locker Glaube mit Politik.


USA 2008 - 101 Min.; ab 6;
Regie: Larry Charles;
Darsteller: (Mitwirkende) Bill Maher, Jose Luis De Jesus Miranda, Jerry Cummings, Rabbi Yisroel Dovid Weiss, Pater George V. Coyne, Pfarrer Joe Copeland, Mark Pryor.

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Religion ist Opium für das Volk, und was jenes in den Hirnwindungen der Leute unter Gottes gnädigem Auge alles anrichtet, erzählt „Religulous“. Es ist – der Titel sagt es – ridiculous. Der gelernte amerikanische Stand-up-Comedian und TV-Satiriker Bill Maher und sein Regisseur Larry Charles, lassen daran nicht den geringsten Zweifel.
Die beiden, die in Sachen Humor bestens harmonieren, haben mit Digitalkameras von Israel über England, die Niederlande und Italien bis in die USA Interviews in den Terrarien des Göttlichen geführt. Was sie dort, wo Menschen sich zu dessen Wärtern ernannt haben, zu sehen und zu hören bekamen, führen sie vor, kondensiert und bissig kommentiert. Es darf gelacht werden. „Und sei es verschämt“, sagt der Regisseur im Gespräch gönnerhaft, „von Leuten, die mit uns nicht einer Meinung sind, aber ihren Spass haben möchten“. Wer ist „entertaining“, „illuminating“ oder „shocking“? In dieser Reihenfolge präsentiert der Regisseur die Kriterien zu einem Film, der nur ja nicht „boring“, nicht langweilig sein sollte, „denn davon gibt es zum Thema Religion schon Tonnen!“
Heilande von Holy-Land (Florida) und Schriftausleger, Schwulenbekehrer und evangelikale Senatoren, Lastwagenfahrer und Hyde-Park-Spinner, Golgatha-Rabbis und muslimische Rapper sind die Protagonisten. Wehe, sie stehen dem Bill Maher vor der Kamera Red und Antwort. Es ist um sie geschehen. Und sie werden, sollten sie den Film je sehen, staunen. „Gesagt ist gesagt“, heisst eine alte Interview-Regel. Wir sagen aber auch: und montiert ist montiert. Im Schneideraum wird das Material auf die sichere Pointe gebracht. Die Interviewten waren den Interviewern Futter, das im Finish gehörig gewürzt wird – mit drolligen Filmclips aus Hollywoods unendlicher Mottenkiste zum Beispiel. Darf man das alles?
„Ich weiss ja auch nicht, was Sie mit diesem Interview machen werden“, erwidert Larry Charles mit seiner verrauchten Stimme freundlich. „Am Ende denke ich, wussten alle, worauf es hinauslaufen könnte. Und manche fühlen sich so sicher in ihrem Glauben, dass sie sich vertrauensvoll äussern.“ Bill Maher ist ein brillanter Interviewer – für die Befragten Falle und Trumpf zugleich: Er provoziert spontane Reaktionen, die der Film genüsslich ausschlachtet. Andrerseits sind seine Fragen in ihrer erbarmungslosen Logik überaus ernsthaft, so leicht ihn ständig ein diabolisches Grinsen überkommt.
Ausgerechnet im Herzen des Vatikans aber sind die Filmer auf einen energischen kahlköpfigen Priester gestossen, den solch ahistorischer Humbug ebenfalls die Luft zwischen den Zähnen hervorpfeifen lässt. Father Reginald heisst er, ist der englischsprachige Latinist des Papstes und wohnt laut Larry Charles in Rufnähe zu diesem. „Man muss einfach auch Glück haben. Wir hatten keine Ahnung, was er uns erzählen würde.“ Jedenfalls ist Father Reginald ein Highlight im Film (ähnlich auch ein emeritierter vatikanischer Chef-Astronom). Und er bereitet inhaltlich das vor, was „Religulous“ als Schluss-Statement in einen dringlichen Appell an die Menschheit münden lässt – nun ohne jedes Feixen: Bleiben wir skeptisch! Skepsis ist die einzige mögliche Religion, die den Planeten vor dem selbstverschuldeten Untergang wegen religiöser Verblendung bewahrt.
„Bill Maher wollte am Ende“, sagt Larry Charles, „den Spiegel auf das Kinopublikum richten und fragen: ‚Und was glaubst du?‘“ Die beiden haben also auch ihren Aristoteles gelesen. Satire muss sein, Katharsis darf sein. Bei viel Unterhaltung.
Martin Walder (NZZ Online)