Künstlerbiographie des literarischen Wunderkinds und ersten Popstars Frankreichs Francoise Sagan. Mit dem weltweiten Sensationserfolg ihres mit 18 Jahren geschriebenen Erstlingsroman „Bonjour Tristesse“ bringt die Sagan dem Nachkriegsfrankreich den Glamour zurück. Sie zelebriert einen unabhängigen Lebensstil, der für das Nachkriegsfrankreich eine Provokation darstellte und doch einen neuen Trend gesetzt hat..

„Sylvie Testud spielt ergreifend.“
Première

„Mit ihrem Lebensstil hat Francoise Sagan den französischen Frauen zu einem Selbstvertrauen verholfen, das die Feministinnen anderer Länder nie erreicht haben.“
Die Zeit

F 2008 - 117 Min.; ab 12;
Regie: Diane Kurys;
Darsteller:
Sylvie Testud, Pierre Palmade, Lionel Abelanski, Jeanne Balibar, Arielle Dombasle, Denis Podalydès, Guillaume Gallienne, Samuel Labarthe.

Movie Database

Sie liebte Exzesse mit Drogen und Alkohol, Glücksspiel, Affären und schnellen Autos und revolutionierte als 18-Jährige die französische Literatur mit dem Büchlein "Bonjour Tristesse", traf mit ungewohnter Offenheit und Sinnlichkeit die Nachkriegsgeneration 1954 mitten ins Herz. Diese autobiographisch geprägte Geschichte eines jungen Mädchens, das frei von Schuldgefühlen seine Sexualität auslebt und einen anderen Menschen in den Selbstmord treibt, sorgte wegen "Unmoral" für einen handfesten Skandal. Es folgten 30 weitere Bücher mit einer Gesamtauflage von über 30 Millionen Exemplaren.

Wie die Heldin kam auch Françoise Quoirez, die spätere Sagan, aus gut bürgerlichem Hause und genoss die Leichtigkeit des Seins der verwöhnten französischen "jeunesse dorée". Diane Kurys versucht, das atemlose Leben dieser Schriftstellerin filmisch zu erfassen. Die ausführliche Behandlung der ersten Karrierejahre, in denen Sagan auf den Rat ihres Vaters das schnell verdiente Geld mit vollen Händen verschwendet, ihre Pariser Clique in Saint Tropez aushält und die Nacht zum Tage macht, erlaubt eine subtile Annäherung.
Bonjour Sagan

Dann kapituliert die Regisseurin vor der Komplexität dieser schillernden Figur und ihren zahlreichen Facetten, hakt in riesigen Zeitsprüngen Stationen ab. Den Autounfall 1957 und seine Folgen für die spätere Morphiumsucht, wechselnde Liebesabenteuer und gescheiterten Beziehungen, das Abrutschen in Kokainabhängigkeit. Nur wenige Getreue halten zu ihr, während die Karawane der Schnorrer weiter zieht. Wichtige Episoden wie ihr politisches Engagement, ihre gespaltene Position zum Feminismus ("Mein Bauch gehört nicht mir, sondern dem Mann, den ich liebe") oder das diffizile Verhältnis zu ihrem Sohn, der nach der Geburt erst wieder als 20-Jähriger auftaucht und den sie nicht am Sterbebett sehen will, bleiben diffus.

In der zweiten Hälfte dominiert "Tristesse". Die von Drogen gezeichnete und finanziell ruinierte Erfolgsautorin kämpft mit schlechten Kritiken, sinkenden Verkaufszahlen und einem riesigen Schuldenberg. Der Glanz von einst, dahin, die Lebenskarten vergeudet, die Freunde tot oder verschwunden, der Verfall nicht mehr aufzuhalten. Am meisten leidet sie unter der Einsamkeit, ein Gefühl, dass Sylvie Testud ("Jenseits der Stille") in einer überzeugenden Performance mit Bubikopf und melancholischem Blick verkörpert und vor allem in sehr persönlichen Off-Zitaten nachempfinden lässt. Sie trägt den Film auf ihren schmalen Schultern und weckt Aufmerksamkeit für eine Frau, die Zeit ihres Lebens auf der Überholspur raste und von der man gerne mehr erfahren hätte.