Am So 16.1.11 um 14.00 findet im Ostentor eine Sondervorstellung
in Anwesenheit der Regisseurin Sophie Heldmann und ihrer Nebendarsteller
Barnaby Metschurat und Carina Wiese statt.

Anita (SENTA BERGER) und Fred (BRUNO GANZ) sind seit 50 Jahren ein Paar und fast genauso lange glücklich verheiratet. Sie haben zwei erwachsene Kinder, die Enkelin steht kurz vor dem Abitur. Beide können nicht nur auf ein erfülltes Leben zurückblicken – sie sind noch mittendrin. Dass Fred schwer krank ist, haben sie ihrer Familie bislang verheimlicht. Erstmals in all den Jahren nimmt Fred sich nun Freiheiten heraus, die seine Frau vor den Kopf stoßen. Zum ersten Mal fühlt Anita sich allein gelassen und stellt ihre Beziehung in Frage. Doch eine Liebe wie die ihre endet nicht einfach so. Sie soll niemals enden… SATTE FARBEN VOR SCHWARZ erzählt eine starke Geschichte über eine kompromisslose Liebe, kleine Fluchten und reife Entscheidungen. Regisseurin Sophie Heldman schrieb gemeinsam mit ihrem Ko-Autor Felix zu Knyphausen das Drehbuch zu ihrem bewegenden Kinodebüt, das für den FIRST STEPS AWARD 2010 nominiert wurde und im Wettbewerb der 58. Internationalen Filmfestspiele von San Sebastian seine Weltpremiere feierte.

Deutschland / Schweiz 2009 - 85 Min.; ab 12;
Regie: Sophie Heldman;
Darsteller: Bruno Ganz, Senta Berger, Barnaby Metschurat, Carina Wiese, Leonie Benesch, Sylvana Krappatsch, Thomas Limpinselk.

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Seit fünfzig Jahren sind Anita (Senta Berger) und Fred (Bruno Ganz) zusammen, könnten den Lebensabend genießen, eine schöne Villa haben sie, leben in gehobenen Verhältnissen und doch zugleich sehr souverän und entspannt darin – und wie vor allem Fred seiner Frau von der Seite ansieht, dabei lächelt, lässt einen spüren, wie glücklich sie miteinander noch sind. Doch Bruno will sich auch absondern, Raum und Zeit zum Nachdenken, und während der Sohn nach Hause kommt, weil die Tochter heiratet, erfahren wir nebenbei: Bruno hat Krebs. Und überlegt, ob er sich überhaupt operieren lassen will. Anita ist darüber still verletzt, hilflos. So muss sich das Ehepaar damit auseinandersetzen, wie es ist, mit- und gegeneinander alt zu werden. Und dass es für jeden unweigerlich aufs Ende zugeht.
SATTE FARBEN VOR SCHWARZ ist kein Kranken- und auch weniger ein Alters-, sondern ein Beziehungsdrama. Eines, das sein unbequemes und wichtige, oft unterbeleuchtet Themen mit kleinen Details und genauen Beobachten, dazu mit auch feinsinnigem Gespür für Momente, Stimmungen und Dialoge – auch Witz – geerdet, dabei sehr leicht und umso mutiger angeht. Keine depressive Krankenhausaufnahmen, sondern eine Bürgerwelt, in der die Alltäglichkeit des Rentendasein gegen eine andere, viel existenziellere behauptet werden will. In der Gefühle und Auswege ausprobiert werden, bis zum konsequenten Ende. SATTE FARBEN IN SCHWARZ ist ein Film, der sich nicht nur Zeit, sondern die richtige Zeit nimmt.
Fast schmerzhaft schön oder elegant und doch nicht verkündstelt ist die Bildgestaltung (Kamera: Christine A. Maier). Doch neben dem vorzüglichen Buch (Regisseurin Sophie Heldman zusammen mit Felix von Knyphausen, basierend auf biographischen Erfahrungen der deutsch-schweizerischen Filmemacherin) sowie der vorzüglichen Regie sind es vor allem aber die beiden großen Darsteller Senta Berger und Bruno Ganz, die SATTE FARBEN VOR SCHWARZ zu einem intensiven – nein, nicht Erlebnis: einer Erfahrung machen.
Ob beide zusammen, liebkosend, Berger stumm verzweifelt; wenn Ganz nackt im Spiegel seinen gealterten Körper betrachtet oder im Gespräch mit einem Mundwinkelzucken oder einem Blick Worten und Tun nachgerade „auflädt“, wie das keine Regie und kein Drehbuch auch nur andeuten können: dann ist das bei ihnen nicht nur eine couragierte Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensphase, die mit sichtlichem Wissen miteingebracht wurde, sondern schlicht von einer Präsenz und Dichte, die einen nicht so schnell wieder verlässt. Vielleicht ist gerade deshalb der Titel so erstaunlich treffend, beschreibt er weniger etwas im Film oder den Films - als vielmehr das "Wirkung" des Films auf den Zuschauer.