Anita (SENTA BERGER) und Fred
(BRUNO GANZ) sind seit 50 Jahren ein Paar und fast genauso lange
glücklich verheiratet. Sie haben zwei erwachsene Kinder, die Enkelin
steht kurz vor dem Abitur. Beide können nicht nur auf ein erfülltes
Leben zurückblicken – sie sind noch mittendrin. Dass Fred schwer
krank ist, haben sie ihrer Familie bislang verheimlicht. Erstmals
in all den Jahren nimmt Fred sich nun Freiheiten heraus, die seine
Frau vor den Kopf stoßen. Zum ersten Mal fühlt Anita sich allein
gelassen und stellt ihre Beziehung in Frage. Doch eine Liebe wie
die ihre endet nicht einfach so. Sie soll niemals enden… SATTE FARBEN
VOR SCHWARZ erzählt eine starke Geschichte über eine kompromisslose
Liebe, kleine Fluchten und reife Entscheidungen. Regisseurin Sophie
Heldman schrieb gemeinsam mit ihrem Ko-Autor Felix zu Knyphausen
das Drehbuch zu ihrem bewegenden Kinodebüt, das für den FIRST STEPS
AWARD 2010 nominiert wurde und im Wettbewerb der 58. Internationalen
Filmfestspiele von San Sebastian seine Weltpremiere feierte. |
Deutschland
/ Schweiz 2009 - 85 Min.; ab 12;
Regie: Sophie Heldman;
Darsteller: Bruno Ganz, Senta Berger, Barnaby Metschurat, Carina Wiese,
Leonie Benesch, Sylvana Krappatsch, Thomas Limpinselk.
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Seit fünfzig Jahren sind Anita (Senta Berger) und
Fred (Bruno Ganz) zusammen, könnten den Lebensabend genießen, eine
schöne Villa haben sie, leben in gehobenen Verhältnissen und doch
zugleich sehr souverän und entspannt darin – und wie vor allem Fred
seiner Frau von der Seite ansieht, dabei lächelt, lässt einen spüren,
wie glücklich sie miteinander noch sind. Doch Bruno will sich auch
absondern, Raum und Zeit zum Nachdenken, und während der Sohn nach
Hause kommt, weil die Tochter heiratet, erfahren wir nebenbei: Bruno
hat Krebs. Und überlegt, ob er sich überhaupt operieren lassen will.
Anita ist darüber still verletzt, hilflos. So muss sich das Ehepaar
damit auseinandersetzen, wie es ist, mit- und gegeneinander alt zu
werden. Und dass es für jeden unweigerlich aufs Ende zugeht.
SATTE
FARBEN VOR SCHWARZ ist kein Kranken- und auch weniger ein Alters-,
sondern ein Beziehungsdrama. Eines, das sein unbequemes und wichtige,
oft unterbeleuchtet Themen mit kleinen Details und genauen Beobachten,
dazu mit auch feinsinnigem Gespür für Momente, Stimmungen und Dialoge
– auch Witz – geerdet, dabei sehr leicht und umso mutiger angeht.
Keine depressive Krankenhausaufnahmen, sondern eine Bürgerwelt, in
der die Alltäglichkeit des Rentendasein gegen eine andere, viel existenziellere
behauptet werden will. In der Gefühle und Auswege ausprobiert werden,
bis zum konsequenten Ende. SATTE FARBEN IN SCHWARZ ist ein Film,
der sich nicht nur Zeit, sondern die richtige Zeit nimmt.
Fast schmerzhaft
schön oder elegant und doch nicht verkündstelt ist die Bildgestaltung
(Kamera: Christine A. Maier). Doch neben dem vorzüglichen Buch (Regisseurin
Sophie Heldman zusammen mit Felix von Knyphausen, basierend auf biographischen
Erfahrungen der deutsch-schweizerischen Filmemacherin) sowie der
vorzüglichen Regie sind es vor allem aber die beiden großen Darsteller
Senta Berger und Bruno Ganz, die SATTE FARBEN VOR SCHWARZ zu einem
intensiven – nein, nicht Erlebnis: einer Erfahrung machen.
Ob beide
zusammen, liebkosend, Berger stumm verzweifelt; wenn Ganz nackt im
Spiegel seinen gealterten Körper betrachtet oder im Gespräch mit
einem Mundwinkelzucken oder einem Blick Worten und Tun nachgerade
„auflädt“, wie das keine Regie und kein Drehbuch auch nur andeuten
können: dann ist das bei ihnen nicht nur eine couragierte Auseinandersetzung
mit der eigenen Lebensphase, die mit sichtlichem Wissen miteingebracht
wurde, sondern schlicht von einer Präsenz und Dichte, die einen nicht
so schnell wieder verlässt. Vielleicht ist gerade deshalb der Titel
so erstaunlich treffend, beschreibt er weniger etwas im Film oder
den Films - als vielmehr das "Wirkung" des Films auf den
Zuschauer. |