Der Gewinner des diesjährigen
Max-Ophüls-Preises: In Maximilian Erlenwein Kinodebüt erkennt ein
Bankangestellter, dass zu viel Ordnung seinem Leben nur schaden kann.
Fortan übt er sich im Ausprobieren radikaler Grenzerfahrungen und
krimineller Handlungen – welche ihm den Weg zu seiner alten Jugendliebe
weisen. Ein mitreißender und vergnüglicher Film, der auch ein kleines
Statement zur Finanzkrise ist. |
D
2009 -
100 Min.; ab 16;
Regie: Maximilian Erlenwein;
Darsteller: Fabian Hinrichs, Jürgen Vogel, Nora von Waldstätten, Jule
Böwe, Eleonore Weisgerber, Thorsten Merten, Jeroen Willems, Fahri Ogün
Yardim, Maren Kroymann.
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Es kommt der Moment im Leben, wo man sein tägliches
Handeln und Tun im Berufsalltag nicht nur anzweifelt, sondern auch
kritisch hinterfragt. Und manchmal bedarf es dafür einschneidender
Erlebnisse. Frederik Feinermann (Fabian Hinrichs) hat so ein Erlebnis
gerade hinter sich. Sogar eines von der heftigsten Sorte. Als der
Bankangestellte einem Kunden keinen weiteren Kredit gewähren will,
jagt der sich vor seinen Augen eine Kugel in den Kopf. Ein radikaleres
Statement zur aktuellen Finanzkrise hätte sich Regisseur und Autor
Maximilian Erlenwein nicht ausdenken können. Und so ist auch für
den jungen und aufstrebenden Yuppie Feinermann die Sachlage eindeutig:
Lieber schnell den öden Lebensentwurf ändern, bevor man ihm (oder
er sich selbst) eine Pistole an den Kopf hält.
Maximilian Erlenweins Film handelt nicht von der Schwerkraft, die
den rational denkenden Großstadtbürger auf dem Boden der Vernunft
hält, sondern auch von dem Gefühl der Leichtigkeit, mit dem man aus
den Regeln des Alltags entfliehen kann. Frederik Feinermann findet
nämlich plötzlich großen Gefallen daran, zum ersten Mal in seinem
Leben Regeln und Gesetze zu brechen. Gemeinsam mit dem alten Schulfreund
und erprobten Kleinganoven Vince (Jürgen Vogel) bricht der junge
Mann bei seinem Chef ein, klaut im Supermarkt oder überfällt Skinheads
mit einer Baseballkeule. Ob das nun aus schierer Lust passiert oder
zur Trauma-Bewältigung gedacht ist, möchte der Film nicht beantworten.
Viel eher dient es einem zutiefst romantischem Motiv: Die neuerlichen
Adrenalinkicks geben Feinermann endlich den Mut, seine alte Jugendliebe
Nadine (Nora von Waldstätten) wieder zu kontaktieren.
Regisseur Erlenwein changiert dabei geschickt zwischen den Genres:
Buddy-Komödie, Drama, Film noir, Liebesgeschichte und ein wenig Krimi
– all das kann man in diesem starken Kinodebüt entdecken, das mit
Fabian Hinrichs und Nora von Waldstätten zwei Darsteller im Ensemble
hat, die man (trotz langjähriger Berufserfahrung) als Neuentdeckung
feiern sollte. Jürgen Vogel kann man einmal mehr in einer Rolle sehen,
für die er wie gemacht ist. Als wuchtiger Haudrauf mit einschlägiger
krimineller Vergangenheit und Plänen für eine Punkrock-Bar hat man
ihn in variierter Form wohl schon mehrere Male in anderen Produktionen
erlebt. Seine schnodderige und kühle Performance des lässigen Kneipenschlägers
ist nun einmal seine Spezialität, die man immer wieder gerne sieht.
Dabei ist es viel spannender zu beobachten, wie der brave Bankangestellte
zum ersten Mal in seinem Leben gehörig über die Stränge schlägt –
und irgendwann von der Realität eingeholt wird. „Schwerkraft“ ist
mitreißendes und humorvolles Kino, das zurecht mit dem diesjährigen
Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet wurde. |