Ayrton Senna war einer der größten
Formel 1-Fahrer aller Zeiten, dreimaliger Weltmeister, brasilianischer
Nationalheld, eine der schillerndsten Gestalten der Sportgeschichte.
Der britische Regisseur Asif Kapadia legt nun mit „Senna“ eine Dokumentation
vor, die dem Genie Sennas in jeder Hinsicht gerecht wird. Ein mitreißend
montiertes, pathetisch emotionales Portrait; eine der besten Dokumentationen
der letzten Jahre. |
GB 2010
- 104 Min.; ab 6;
Regie: Asif Kapadia;
Darsteller: (Mitwirkende) Alain Prost, Frank Williams, Ron Dennis,
Viviane Senna, Milton da Silva, Neide Senna, Jackie Stewart, Sid Watkins,
Galvão Bueno, Reginaldo Leme, Gerhard Berger .
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Mit aussagekräftigen O-Tönen und bisher
unveröffentlichtem Archivmaterial bestückte Hommage an Ayrton Senna,
den schnellsten Rennfahrer der Formel Eins-Geschichte. Während in
der Formel Eins mit Sebastian Vettel, dem jüngsten Weltmeister aller
Zeiten, gerade ein neuer unwiderstehlicher Siegertyp heranreift,
blickt BAFTA-Preisträger Asif Kapadia ("The Warrior") zurück.
In seiner Dokumentation setzt er dem brasilianischen Rennfahrer Ayrton
Senna, der am 1. Mai 1994 bei einem schweren Unfall in Imola tödlich
verunglückte, ein beeindruckendes Denkmal. Dabei kommen Kapadia vor
allem drei Dinge zu Gute. Zum einen hatte er uneingeschränkten Zugriff
auf die Formel Eins-Archive und konnte somit teils unveröffentlichtes
Material verwenden, zum anderen war ihm auch die Unterstützung der
Familie des dreifachen Weltmeisters sicher, die ihm nicht nur Heimvideos
aus dem Privatbesitz zur Verfügung stellte, sondern auch in O-Tönen
Auskunft über ihren Sohn und Bruder gaben. Und schließlich ist es
die polarisierende Figur Senna selbst, dieser fanatische Speed-Spezialist
und gläubige Christ, der, wenn er sich ungerecht behandelt fühlte,
sich mit der Rennleitung ebenso anlegte, wie mit seinem Dauerrivalen
Alain Prost. Obwohl sich Kapadia dafür entschieden hat, Leben und
Werk des brasilianischen Ausnahmerennsportlers chronologisch abzuhandeln
- hier geht es vor allem um seine Zeit als Formel Eins-Fahrer von
1984 bis 1994 -, ist "Senna" doch keine konventionelle
Dokumentation geworden. Das liegt an einem ganz besonderen Kniff:
Sämtliche Interviews, die Kapadi führte, finden im Off statt, das
heißt, die Gesprächspartner sind niemals im Bild zu sehen. Stattdessen
folgen Impressionen jenes Menschen, mit dem sich dieser Film auch
in erster Linie beschäftigt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die schlechte
Qualität der alten TV-Mitschnitte von den jeweiligen Rennen. Die
25 Jahre Lagerzeit haben doch schon schwer am analogen Material genagt.
Kapadi kompensiert dies geschickt, indem er viel mit dramatisch dräuende
Musik unterlegt, dann wieder mit Slow Motion ganz ohne Klangteppich
und Atmo arbeitet und so dem Ganzen einen nostalgisch verklärenden
Anstrich gibt. Dass "Senna" dennoch nicht bloß eine Hommage
an den "schnellsten Fahrer der Geschichte" (2004 und 2006
wurde er posthum dazu von einer Expertenjury gewählt) ist, liegt
auch daran, dass man ebenso erfährt, was hinter den Kulissen der
Formel Eins geschieht, Bilder zu Gesicht bekommt, die normalerweise
nicht über den Bildschirm flimmern. Wie etwa die internen Fahrerbesprechungen
vor den jeweiligen Rennen, bei denen sich Senna als Heißsporn und,
wenn auch oft auf verlorenem Posten, Kämpfer für die Rechte und Sicherheit
der Piloten einsetzt. Hinzu kommen intime Statements von Sennas Mutter
Neyde und Schwester Viviane sowie von Formel Eins-Ikonen wie Ron
Dennis, Frank Williams und dem Rennarzt Sid Watkins, zu dem Senna
ein ausgesprochen freundschaftliches Verhältnis pflegte. Im Kern
aber ist und bleibt dieser Film, der 2011 in Sundance mit dem World
Cinema Documentary Audience Award ausgezeichnet wurde, ein Lobgesang
auf das einzigartige fahrerische Können Sennas, der 1993 in Donington
das Kunststück fertig brachte, mit seinem McLaren-Ford auf regennasser
Fahrbahn alle fünf vor ihm liegenden Fahrer noch in der ersten Runde
zu überholen. Und das kann ihm auch ein Michael Schumacher, der inzwischen
sämtliche Formel Eins-Rekorde hält, nicht mehr nehmen. |