Mit der Verfilmung eines Bestsellers
von "Mystic River"-Autor Dennis Lehane kehrt Martin Scorsese
vier Jahre nach seinem Oscar-Gewinner "Departed" auf die
Leinwand zurück. Seine vierte Zusammenarbeit mit Leonardo DiCaprio
in Folge ist pure Pulp Fiction, ein derbes wie cleveres Horrorszenario,
das dem Meisterregisseur jede Gelegenheit bietet, die gesamte Klaviatur
des Spannungskinos zu spielen und seinen Vorbildern Hitchcock, Fuller
und Ray zu huldigen. Die versammelte Starpower (DiCaprio, Ruffalo,
Williams, Kingsley, Clarkson) trägt das Ihrige zum Gelingen des raffinierten
Schockers bei. |
USA
2009 - 138 Min.; ab 16;
Regie: Martin Scorsese;
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Mark Ruffalo, Ben Kingsley, Michelle
Williams, Emily Mortimer, Max von Sydow, Jackie Earle Haley, Patricia
Clarkson, Jackie Earle Haley.
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"Shutter Island" ist ein monströser
Film, eine Übung in Exzess. Weil man den Roman von "Mystic River"-Autor
Dennis Lehane nicht anders verfilmen kann: ein starkes Stück Pulp
Fiction, ein wild geplottetes Horrorszenario, das zahllose falsche
Fährten auslegt und dabei auch schon mal derbe den Holzhammer auspackt,
um den Leser von seinem gut gehüteten und doch so offensichtlichen
Geheimnis abzulenken. Das verlangt nach einer entsprechenden Umsetzung.
Martin Scorsese lässt sich nicht lumpen bei seiner ersten Regiearbeit
seit seinem Oscar-Gewinner "Departed - Unter Feinden" aus
dem Jahr 2006, die er sich nach den zuletzt schweren Themen einfach
mal gegönnt hat. Von Alterswerk keine Spur. Unterstützt von getreuen
Mitstreitern wie Cutterin Thelma Schoonmaker, Kameramann Robert Richardson
oder Szenenbildner Dante Ferretti zelebriert der 67-Jährige mit großer
Lust und noch größerem Können pures Kintopp, beschwört das expressive
Gruselkino eines Val Lewton und Jacques Tourneur, verweist auf Genreklassiker
wie Franjus "Augen ohne Gesicht" oder Hitchcocks "Rebecca" und
genießt die Freude, bei seinem ersten puren Genrefilm seit "Kap
der Angst" richtig over the top sein zu dürfen: Es ist ein Film
über Wahnsinn, der sich ankündigt mit lautem Donnergrollen, peitschendem
Regen und tobenden Stürmen.
Willkommen auf Shutter Island. Eine Welt ohne Gott, an den man hier
nicht mehr glauben kann: Teddy Daniels, der Held des Films, hat die
Leichenberge bei der Befreiung des Arbeitslagers von Dachau gesehen,
und er musste miterleben, wie seine Frau bei einem Wohnungsbrand
ums Leben kam. Nun wird der U.S. Marshal, der unter unseligen Migräneattacken
leidet, im Jahr 1954 nach Shutter Island geschickt, eine unwirtliche,
schroffe, feindselige Insel, die schnell aufgrund eines aufziehenden
Unwetters von der Außenwelt abgetrennt ist. Mit seinem neuen Partner
Chuck Aule soll er im Ashecliffe Hospital, einer Anstalt für geisteskranke
Schwerverbrecher, nach einer Mörderin suchen, die spurlos aus ihrer
gut bewachten Zelle entkommen ist. Der Ärzteschaft um Dr. Cawley
ist nicht zu trauen, spürt Daniels schnell, die Wachleute, das Personal,
selbst die befragten Insassen benehmen sich auffallend, und auch
der Partner macht sich verdächtig. Während er von immer wieder kehrenden
Albträumen gepeinigt, in dem ihm die Toten des Arbeitslagers von
Dachau, das er mitbefreite, erscheinen und seine tote Frau vor ihm
in Flammen aufgeht, verstärkt sich die Isolation Daniels', der entschlossen
ist, dem Geheimnis der Insel auf die Spur zu kommen. Ihm schwant
Unfassbares, und doch ist er auf dem Holzpfad. |