Konrad Lang, der Hausverwalter
der reichen Familie Senn, erkrankt an Alzheimer. Brisant ist dabei
nicht, was er vergisst, sondern woran er sich plötzlich erinnert.
Ein düsteres Familiengeheimnis droht ans Licht zu kommen. Das Drama
basiert auf Martin Suters Bestseller mit Gérard Depardieu. |
Frankreich
/ Deutschland 2010 - 93 Min.; ab 6;
Regie: Bruno Chiche;
Darsteller: Gérard Depardieu, Alexandra Maria Lara, Françoise Fabian,
Niels Arestrup, Nathalie Baye, Yannick Renier, Féodor Atkine, Olivier
Claverie.
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Nur seine Kindheitserinnerungen sind ihm geblieben
und ausgerechnet die werden für die mächtige Industriellenfamilie
Senn, für die Konrad arbeitet, zum Problem. Als er sich zudem noch
mit Simone (Alexandra Maria Lara), der frisch angeheirateten Frau
des jungen Senn anfreundet, wird er zu einer immer größeren Gefahr
für die Patriarchin Elvira Senn (Francoise Fabian) und dem streng
gehüteten Familiengeheimnis.
Ein gutes Gedächtnis wird
gerne überschätzt, das Vergessen hat seine Vorzüge. So ist das zumindest
bei Konrad. Die Erinnerung an ein eher trostloses Leben als überflüssiger
Angestellter vermisst er nicht weiter. Im Grunde ist er ohne Gedächtnis
glücklicher, als er es je zuvor war. Gérard Depardieu spielt diesen
Konrad wie ein großes Kind - und das ist in gewisser Hinsicht das
Beste, was er machen kann, schließlich bleiben seiner Figur nur noch
die Kindheitserinnerungen, die immer präsenter werden.
Und just diese Bruchstücke einer Kindheit sind der Sprengsatz, der
eine Familien-Dynastie erschüttern wird. Die Romanvorlage von Martin
Suter hatte die Suche nach den verschütteten Bruchstücken einer Kindheit
als raffinierte Schnitzeljagd angelegt, in der mit verblüffenden
Wendungen und falschen Fährten operiert wurde. Regisseur Bruno Chiche
hat diesen kunstvoll angelegten Irrgarten radikal gelichtet und sich
auf das Kernthema konzentriert: eine Familientragödie, die nicht
annähernd so kompliziert ist, wie es zunächst scheint.
Eine weise
Entscheidung, denn so kann der Film sich seinen Figuren widmen und
die sind erstklassig besetzt. Nils Arestrup als ebenso versnobter
wie trinkfreudiger Stammhalter der Dynastie, Nathalie Baye als dessen
melancholische Ex-Frau und vor allem Veteranin Francoise Fabian als
unerbittliches Familienoberhaupt sind allesamt sensationell. Alexandra
Maria Lara tut sich angesichts dieser geballten Schauspielkunst anfangs
sichtbar schwer, schlägt sich aber recht wacker.
Fazit: "Small
World" ist ein packendes Ensemblestück, das auf die Krimi-Elemente
der Romanvorlage gar nicht angewiesen ist. Die Charaktere treiben
die Handlung vorwärts, und so wirkt bis zum bittersüßen Schluss alles
stimmig, obwohl es natürlich ungeheuerlich ist, was hinter der schönen
Fassade der gesitteten Gutbürgerlichkeit geschieht. |