...enorm unterhaltsam und scharfsinnig...
Der aktuellste Film des Jahres - und auch einer der besten.
Stern
Meisterregisseur David Fincher ist ein kultverdächtiger Film gelungen
- klug, rasant, witzig, ganz direkt am Puls der Zeit. Ein moderner
Wirtschaftskrimi rund um die Generation 2.0. ZDF Heute-Journal
Facebook, das größte soziale Netzwerk
des Internets, wirkt auf den ersten Blick wie ein untypisches Thema
für einen Regisseur wie David Fincher. Doch auch wenn in „The Social
Network“ fast nur scheinbar harmlose junge Männer zu sehen sind:
Unter der glatten Oberfläche der jungen Entrepreneure finden sich
die moralischen Abgründe, die Fincher so gnadenlos seziert. Ein stilistisch
zwar sehr konservativer, inhaltlich aber höchst aktueller Film über
Gier, Sex und viel zu viel Geld. |
USA 2010
- 121 Min.; ab 12;
Regie: David Fincher;
Darsteller: Jesse Eisenberg, Andrew Garfield, Justin Timberlake, Brenda
Song, Rashida Jones, Joseph Mazzello, Rooney Mara, Malese Jow, Armie
Hammer, Max Minghellae.
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Movie Database
Facebook
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Neben Google, Twitter und einigen anderen ist Facebook
das größte Phänomen der Internetkultur der Nuller Jahre. Seit die
Seite – damals noch als Thefacebook – Anfang 2004 online ging, erlebt
sie ein nicht zu stoppendes Wachstum. Momentan sind weltweit über
500 Millionen Menschen bei Facebook angemeldet, beläuft sich der
Wert der Firma an den Börsen auf über elf Milliarden Dollar und hat
ihren Erfinder Mark Zuckerberg zum jüngsten Milliardär aller Zeiten
gemacht. Doch der Gründer dieses sozialen Netzwerks, das geschaffen
wurde, um mit Freunden zu kommunizieren und neue zu finden, ist selbst
ein „sozial inkompetentes Arschloch“, wie seine bald Ex-Freundin
ihn gleich zu Beginn des Films nennt. Aus diesem Gegensatz speist
sich die Dynamik von David Finchers Film, der zwar von einem Internet-Phänomen
erzählt, aber fast vollständig auf Bilder von Computer-Nerds verzichtet,
die vor ihren Rechner sitzen. Stattdessen bilden zwei Prozesse den
roten Faden, von dem ausgehend in langen Rückblenden die Geschichte
Facebooks aufgezeigt wird. Prozesse, die Zuckerberg mit Vergleichen
abschließt, da ihm seine Anwälte klar machen, dass er mit seiner,
vorsichtig ausgedrückt schwierigen Persönlichkeit vor einer Geschworenjury
keine Chance hätte. Gespielt wird dieser Zuckerberg von Jesse Eisenberg,
der mit seinem blassen, ungesunden Teint in den letzten Jahren zum
Vorzeige Teenager zahlreicher Coming-of-Age-Geschichten wurde, hier
aber eine ganz andere Seite seiner Persönlichkeit zeigen kann. Er
spielt Zuckerberg als Getriebenen, der kaum eine Entscheidung aus
eigener Entschlossenheit fällt, sondern von Kommilitonen, seinen
wenigen Freunden und später Beratern beeinflusst wird. Dass er sowohl
von drei anderen Harvard-Studenten, die ihn beschuldigen, die Idee
für Facebook von ihnen gestohlen zu haben, verklagt wird, als auch
von seinem einzigen echten Freund, der aus dem wachsenden Unternehmen
verdrängt wurde, kann man als ironisch, aber auch als fundamentale
Tragik des Charakters sehen. Während Facebook für viele junge Leute
zum Maßstab ihrer Beliebtheit geworden ist, ein virtuelles „ich mag/
ich mag nicht“ über Wohl und Wehe entscheidet, ist Zuckerberg selbst
zwar ein virtueller Held, im wahren Leben jedoch ein Nichts. Unermesslich
reich zwar, aber doch isoliert. Wie es dazu kommen konnte versucht
Fincher – der hier ein Drehbuch von Araon Sorkin ziemlich penibel
und ohne eigene Zusätze verfilmt – gar nicht erst zu erklären. Es
mag der Sog des Erfolgs sein, der plötzliche Ruhm, der rasante Wachstum
einer Firma, die kaum zu kontrollieren ist, wirklich tangiert scheint
Zuckerberg, zumindest so wie er hier gezeigt wird, von nichts zu
sein. So ist „The Social Network“ zwar vordergründig eine Charakterstudie,
funktioniert in erster Linie aber als Portrait einer Generation.
Exemplarisch für die so genannten dotcom-Millionäre, jene meist sehr
jungen, meist männlichen Nerds, die mit einer einfachen Idee ins
Internet gingen und bald millionenschwer waren. Kaum etwas symbolisiert
die Exzesse der Weltwirtschaft in den letzten Jahren so gut wie diese
Internet-Millionäre, deren Firmen in erster Linie wegen ihres Potentials
so unermesslich wertvoll sind. Dass sich dieses Potential oft als
Illusion erwiesen hat, das hinter einer glatten Fassade oft wenig
Substanz steckt, auch das zeigt Finchers Film. Stilistisch ist das
im Gegensatz zu Filmen wie „Seven“ und vor allem „Fight Club“ zwar
sehr zurückhaltend, um nicht zu sagen konservativ gefilmt, inhaltlich
aber ist „The Social Network“ der komplexeste, rundeste Film, den
David Fincher bislang vorgelegt hat. |