Kanada
/ Frankreich / USA 2009 - 108 Min.; ab 16;
Regie: Vincenzo Natali;
Darsteller: Adrien Brody, Sarah Polley, Delphine Chanéac, David Hewlett,
Brandon McGibbon, Abigail Chu, Amanda Brugel, Stephanie Baird.
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Frankenstein musste noch Leichenteile zusammentackern. Natali, der
sich nach eigenem Bekunden vom Frankenstein-Stoff inspirieren ließ,
weiß natürlich, dass es heutzutage ganz andere und tatsächlich funktionierende
Methoden gibt, um künstliches Leben zu schaffen. Folgerichtig spielt
sein Film in einem Forschungslabor, das sich mit gentechnischen Arbeiten
befasst. Die beiden Spitzen-Forscher dort sind Clive (Adrien Brody)
und Elsa (Sarah Polley), auch privat ein Paar. Ihr Labor trägt den
Namen „Nerd“. Sie haben in der Tat etwas von hochintelligenten Sonderlingen,
aber nicht im frankensteinschen, also pathologischen, sondern mehr
im faustischen Sinn. Die Forschung ohne Fesseln immer weiterzutreiben
– das ist ihr Ziel. Die beiden stehen also für einen Typus Wissenschaftler,
den man in nicht wenigen Labors antreffen kann. Was passiert, wenn
solche Spezialisten alles machen dürften, was sie können, demonstrieren
Clive und Elsa, indem sie heimlich ein Hybridwesen aus menschlichem
und tierischem Erbgut schaffen.
Es ist nicht so, dass es keine Skrupel gäbe, vor allem nachdem die
öffentliche Präsentation zweier tierischer Klone mit den hübschen
Namen Ginger und Fred in einem Blutbad endete. Clive versucht, die
voranstürmende Elsa mit ethischen Argumenten und Warnungen vor den
Gefahren zu bremsen. Als das Wesen überraschend früh schlüpft und
durchs Labor flitzt, will er es sofort töten, hält jedoch nach den
Protesten seiner Frau inne, was viel mit den unausgesprochenen Bedürfnissen
und Rücksichtnahmen in ihrer Beziehung zu tun hat, wie sich in der
Folgezeit auf hintergründige, aber fatale Art zeigen wird. Ihr Geschöpf
nennen sie mit ihrem eigenartigen Humor Dren, die Umkehrung des Wortes
Nerd. Es ist nicht nur im übertragenen Sinn ihr Baby, sie adoptieren
es sozusagen – was nachvollziehbar ist, denn es entwickelt menschliche
Regungen und Gefühle, auf die Menschen automatisch reagieren. Dren
wächst zu einer weiblichen Gestalt heran, mit ebenso schönen wie
undurchdringlichen Zügen. Es/Sie ist auch filmtechnisch ein – äußerst
beeindruckender - Hybrid, dargestellt von einer Schauspielerin (Delphine
Chanéac), die mit computeranimierten Details ausgestattet wurde.
Wahrlich kein Monster, sondern eine bedauernswerte Kreatur, die offenbar
weiß, dass sie anders ist als ihre Schöpfer.
Der Vorstoß ins Unbekannte birgt Risiken, wie man weiß. Vor allem
solche, welche Forscher, die glauben, alles unter Kontrolle zu halten,
nicht auf der Rechnung haben. „Splice“ entwickelt sich, den Genre-Regeln
folgend, zu einer blutigen Angelegenheit. Abstoßender und eindringlicher
aber ist der fein angelegte Elektra-Komplex, der mit der Wucht des
Ödipus-Stoffes daran gemahnt, dass es Tabus gibt, die nicht ungestraft
durchbrochen werden können. |