In der deutsch-schwedischen Koproduktion
„Die Stimme des Adlers“ wird der Zuschauer in die faszinierende Welt
der mongolischen Steppe entführt. Vor der kargen Kulisse bricht ein
junger Adlerjäger gemeinsam mit seinem gefiederten Kameraden auf,
um in der Hauptstadt Ulan-Bator sein Glück zu suchen. Das familientaugliche
Drama erzählt einfühlsam von der Konfrontation zwischen Tradition
und Moderne, den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens und dem schwindenden
Einklang mit der Natur. |
Originaltitel:
The Eagle Hunter's Son;
Schweden / Deutschland 2008 - 85 Min.; ab 0;
Regie: René Bo Hansen;
Darsteller: Barzabai Matei, Serikbai Khulan, Mardan Matei, Asilbek
Badelkhan, Bejei Kulimkhan.
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Für Außenstehende steckt die mongolische Wüste voll
anmutender Schönheit. Der feinstaubige Boden und das steinige Gebirge
strahlen eine unleugbare Faszination aus. Die deutsch-schwedische
Koproduktion „Die Stimme des Adlers“ führt den Zuschauer mitten hinein
in das karge Grenzgebiet zwischen der Mongolei und Kasachstan. Das
Drama erzählt von Menschen, die in dieser unwirtlichen Gegend überleben
müssen.
Einer davon ist der 12-jährige Bazarbai. Der Junge wünscht
sich allerdings nichts sehnlicher, als möglichst bald in die Stadt
zu ziehen. In Ulan-Bator will der jüngste Spross eines routinierten
Adlerjägers die Schule besuchen, um später eine gute Arbeit zu finden.
Doch von seinem Vater werden diese Pläne jäh durchkreuzt. Statt Bazarbai
lässt er seinen ältesten Sohn Khan in die mongolische Hauptstadt
ziehen. Bazarbai hingegen soll im Gebirge die Familientradition weiterführen.
Doch der bockige Bursche denkt gar nicht daran. Trotzig greift er
sich den stolzesten Vogel seines Vaters, um sich durch dessen Orientierungssinn
einen Weg zu seinem Bruder zu bahnen. Für Bazarbai beginnt eine aufregende
und gefährliche Reise.
„Die Stimme des Adlers“ klammert sich dabei
an die konfuzianische Weisheit: Der Weg ist das Ziel. Bazarbai durchlebt
während seiner überstürzten Odyssee einen gewaltigen Entwicklungsprozess.
Im Verlauf seines beschwerlichen Fußmarsches sammelt er prägende
Erkenntnisse über sich, seine Familie und die Natur.
Darüber hinaus
konfrontiert der schwedische Regisseur René Bo Hansen das Publikum
mit den unterschiedlichen Lebenswelten in der heutigen Mongolei.
Hinter den Bergen leben einsame Nomaden, während die Bewohner der
Millionenstadt Ulan-Bator den westlichen Industrienationen entgegenstreben.
In der Steppe gibt es nur die eigene Familie und die Natur. In der
Hauptstadt locken CD-Player, GPS-Empfänger sowie die trügerischen
Aussichten auf ein besseres Leben. Die mongolische Gesellschaft driftet
auseinander. Traditionalisten wie die Adlerjäger sind in Ulan-Bator
inzwischen nur noch bizarre Zirkusattraktionen.
„Die Stimme des Adlers“ wirft
einen Blick auf diese Entwicklung aus der Perspektive der Landbevölkerung.
Dabei wird Bazarbai durchaus hart, aber stets familientauglich, mit
den Schattenseiten des städtischen Miteinanders konfrontiert. So
wird er auf seiner Reise bestohlen, gefangen genommen und zur Zwangsarbeit
verpflichtet.
Trotzdem betreibt Hansen in seinem Werk keine plumpe
Schwarz-Weiß-Malerei. Denn auch das Leben in der Steppe schildert er nicht
ohne Hindernisse. Temperaturen von 40 °C unter null sowie hungrige Wölfe erschweren
den Alltag. Das Filmteam selbst hatte darunter zu leiden. Die technische
Ausrüstung litt besonders arg unter der eisigen Witterung.
Der Film versinkt
allerdings keineswegs in Trübsal und Wehmut, da die wachsende Beziehung
zwischen Bazarbai und seinem gefiederten Kameraden für eine wohlige
Grundstimmung sorgt. Dabei begegnet der Junge seinem Adler zunächst
mit tiefer Abneigung. Ihm allein gibt er die Schuld daran, nicht
in der Stadt zur Schule gehen zu dürfen. Erst nach und nach erkennt
Bazarbai die ursprüngliche Kraft und Energie, die sein nahezu mystischer
Begleiter ausstrahlt. Ihr gegenseitiger Respekt ist die große Stärke
dieses einfühlsamen Familienfilms über ein Land zwischen Tradition
und Moderne.
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