In der knallbunten Culture-Clash-Burleske fällt ein Bollywood-Filmteam in ein uriges Schweizer Alpendorf ein und bringt eine unmögliche Romanze in Gang. Regisseur Oliver Paulus setzt sich über Sehgewohnheiten hinweg und überrascht den Zuschauer mit einem Wechselbad der Stile und Gefühle, wagt einen Spagat zwischen schriller Komödie und dramatischer Liebesgeschichte und bedient sich dabei üppig-visueller bis grotesk-burlesker Mittel.



Schweiz / Deutschland / Österreich 2008 - 92 Min.; ab 6;
Regie: Oliver Paulus;
Darsteller: Lavinia Wilson, Vijay Raaz, Martin Schick, Shweta Agarwal, Verena Zimmermann, Johanna Bantzer, Peter Glauser, Max Ruedlinger, Rene Blumk.

Homepage

Movie Database



Bollywood in den Alpen. Im Berner Oberland gerät alles durcheinander, als sich der Koch eines indischen Filmteams im Supermarkt in die Kellnerin des „Hirschen“ verliebt. In Bollywood-Manier fällt Rajah vor Sonja auf die Knie und beginnt zu singen. Sonja weiß bald nicht mehr, wo ihr der Kopf steht, als ihr Verlobter den indischen Verehrer auch noch als Chefkoch einstellt...

Die Inder haben die Schweizer Bergwelt schon als Kulisse für ihre Filme genutzt, da war der Bollywoodfilm in Europa noch gar nicht bekannt. Regisseur Oliver Paulus entdeckte dies erst auf einem Indien-Trip, und da er sich eh in dieser Art Filme zu machen verliebt hatte, lag die Idee nahe, einen Film über die Dreharbeiten eines indischen Films im Berner Oberland zu drehen.

Paulus inszeniert seine Komödie als ‚cultur clash‘ und bedient sich fleißig bei den Ingredienzen des Bollywood-Films. Dabei ist die Welt zunächst in Ordnung, denn auf dem Filmset geht alles nach Plan, und auch im Zentrum der Schweizer Bevölkerung, dem ‚Hirschen‘, ist alles so wie immer. Der von Traditionen geprägte Gasthof stellt geradezu ein Gotthelfsches Universum dar: Nüchtern, unbeweglich und verschroben steht er im krassen Gegensatz zum Filmset, das sich durch überbordende Gefühle, farbenfrohe Sinnlichkeit und charmanten Kitsch auszeichnet. Zentrum dieser Welt ist der Koch Rajah, der mit seinen Künsten die Truppe bei Stimmung hält. Doch dieses Gleichgewicht kommt mächtig ins Durcheinander, als er im Supermarkt nach Zutaten für seine Künste sucht und dabei auf die Kellnerin des ‚Hirschen‘, Sonja, trifft. Er verliebt sich auf den ersten Blick und verwirrt die Angebetete, in dem er vor ihr auf die Knie geht und zu singen beginnt. Dass ein solcher Liebesbeweis hierzulande mehr Irritationen als Erfolgsaussichten auslöst, wird dem indischen Koch schnell klar, und so heuert er im ‚Hirschen‘ an, um Sonja mit seinen Kochkünsten zu erobern. Sonjas Verlobter Markus ist hier der Chef und stellt den Inder gerne ein, wollte er dem mächtig eingestaubten Gasthof doch immer schon einen neuen Kick geben. So erobert Rajah Sonjas Zuneigung mit seiner ‚Nouvelle Cuisine Indienne‘ und bald schon steht ‚Tandoori Chicken‘ und ;Mango-Lassi‘ auf der Speisekarte, während sich die Filmcrew mit Dosenkonserven durchschlagen muss.

Fortan geht alles drüber und drunter im Berner Oberland. Der ‚Hirschen‘ lebt zu einer kurzfristigen Blüte auf und die indische Filmcrew will ihren Koch zurück. Die beiden Welten, die bisher immer so strikt voneinander getrennt waren, prallen aufeinander und man beginnt sich füreinander zu interessieren und tauscht Lebensart und –philosophie miteinander aus.

Oliver Paulus inszeniert dies als Clash der Kulture, ausgelassen, farbenfroh und mit viel Anleihen beim Bollywood-Kino. Da wird getanzt und gesungen, geliebt und geweint und natürlich gehen alle Emotionen – nicht nur die Liebe – durch den Magen. Paulus setzt sich über Sehgewohnheiten hinweg und überrascht den Zuschauer mit einem Wechselbad der Stile und Gefühle, der den Spagat zwischen schriller Komödie und dramatischer Liebesgeschichte wagt und sich dabei üppig-visueller bis grotesk-burlesker Mittel bedient.