Mit fabelhaften Hauptdarstellern aufwartender Thriller um den Versuch zweier Brüder, sich durch einen Überfall auf den elterlichen Juwelierladen aus der finanziellen Misere zu retten. Der Genrefilm entwickelt sich zur klassischen Tragödie, in der sich alle Entscheidungen letztlich fatal auswirken. Ein meisterliches Alterswerk, das an die Blütezeit des New Hollywood anknüpft. - Sehenswert.
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(Before the Devil Knows You're Dead)
USA 2007 - 117 Min.; ab 16;
Regie: Sidney Lumet;
Darsteller:
Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei, Rosemary Harris, Michael Shannon, Amy Ryan.

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Schon 1957 drehte der Regisseur Sidney Lumet das Gerichtsdrama "Die 12 Geschworenen", aber eigentlich gehört er zu den ganz Großen des "New Hollywood": In den 70er Jahren hatte Lumet seine kreative Hochzeit mit Filmen wie "Serpico", "Mord im Orient Express" oder "Network", der vier Oscars gewann. Bis heute arbeitet der 83-Jährige kontinuierlich und beweist in seinem neuesten Meisterwerk über Gier, Schuld, Verrat und Rache, dass er sich noch lange nicht aufs Altenteil zurückzieht, sich sogar noch steigert. Denn mit "Tödliche Entscheidung" gelingt ihm ein raffinierter Film Noir, wie er schwärzer nicht sein kann.

Ein Überfall auf einen kleinen Juwelierladen. Die Besitzerin wehrt sich, wird angeschossen, der Dieb taumelt – selbst von zwei Kugeln getroffen - auf den Bürgersteig. Ein Auto rast davon. So beginnt "Tödliche Entscheidung". Geschickt verschachtelt Lumet in seinem Film die Geschichte zweier Brüder, dröselt auf, wie es zu der Tat kam. Andy (Philip Seymour Hoffman) kann als Unternehmensberater nicht über sein sechsstelliges Jahresgehalt klagen. Aber eine teure und schöne Frau, extravaganter Lebensstil und exzessiver Drogenkonsum kosten, und so hat er über die Jahre Firmengelder für sich abgezweigt.

Als eine Steuerprüfung ansteht, muss er handeln und entwickelt eine – wie er glaubt – Superidee. Sein jüngerer Bruder Hank (Ethan Hawke), ein ständig abgebrannter Luftikus, der noch nicht einmal Alimente für seine Tochter zahlen kann, soll den Juwelierladen der Eltern am frühen Morgen überfallen, weil da nur eine Angestellte im Geschäft ist. Eine klare Sache, so scheint es. Die beiden wollen dann die Pretiosen verscherbeln, und die Eltern bekommen das Geld durch die Versicherung wieder. Hank lässt sich von Andy zum mitmachen überreden und organisiert einen kleinkriminellen Kumpel, der den Laden stürmt. Die schlechteste aller schlechten Entscheidungen.

Wie aus diesem geplatzten Coup eine Lawine von mörderischen Ereignissen wird, das ist fein gesponnen und hält die psychologische Spannung bis zum bitterbösen Ende. Der Vater sucht verbissen den Mörder seiner Frau und stößt dabei auf die schreckliche Wahrheit. Die Söhne versuchen mit immer neuen Tricks, ihre Schuld am Tod der Mutter zu vertuschen. Mit der Kraft einer archaischen Tragödie nimmt das Unglück seinen Lauf. Jeder Winkelzug sitzt in diesem perfekten Thriller über kaputte Familienstrukturen, Ungerechtigkeiten und lebenslange Lügen, die in explodierendem Hass münden.

Sidney Lumet, der in der Vergangenheit mit Stars wie Al Pacino, Sean Connery und Paul Newman drehte, hatte auch hier wieder das richtige Händchen, wählte bis zum letzten Statisten jeden einzelnen Darsteller aus. Die Besetzung der beiden Hauptfiguren gegen ihren Typ und gegen die Erwartung ist der beste Schachzug. Philip Seymour Hoffman als der erfolgreichere der Brüder, der smarte und gut aussehende Ethan Hawke als Loser, dazu als Dritter im exquisiten Bund Albert Finney als Vater, der selbst ermittelt und die Fakten akribisch zusammenträgt - besser und düsterer geht's nicht. Kompromissloses Kino mit Seltenheitswert.