Nach getaner Missionsarbeit in China machen sich die beiden Amerikaner Roy und Jessie auf eine romantische Reise mit der transsibirischen Eisenbahn. Doch leider sind sie in ihrem Abteil nicht allein. Und so müssen sie sich im Folgenden mit Drogendealern und korrupten Polizisten rumschlagen. Regisseur Brad Anderson, der mit "The Machinist" ein Indie-Kleinod schuf, beweist mit "Transsiberian" erneut sein Geschick für Stil und Inszenierung. Auf inhaltlicher Ebene gibt es allerdings einige Unglaubwürdigkeiten und Stereotypen zu bemängeln, was der Spannung aber keinen Abbruch tut.

Großbritannien / Deutschland / Spanien 2007 - 111 Min.; ab 16;
Regie: Brad Anderson;
Darsteller:
Woody Harrelson, Emily Mortimer, Kate Mara, Eduardo Noriega, Ben Kingsley, Thomas Kretschmann, Etienne Chicot, Mac McDonald.

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Der Transsibirien-Express inspirierte schon Generationen von Literaten, und viele schrieben über Abenteuer und Agenten. Nun haben sich die Zeiten geändert, und statt Diplomaten, Schatzsuchern oder Dunkelmännern bereisen leger gewandete Rucksacktouristen aus aller Herren Länder die einst von versklavten Regimegegnern auf Leichenbergen in die Wildnis geschlagene Strecke. Was nicht heißt, dass die Dunkelmänner ausgedient hätten.

Roy und Jessie missionierten für eine amerikanische Freikirche in China und gönnen sich nach Beendigung ihrer Tätigkeit eine Belohnung, in dem sie höchst romantisch den Zug nehmen, statt mit dem Flugzeug zu eilen. Auf der mehrtätigen Reise durch Sibirien und die Mongolei nach Moskau möchte man Land und Leute betrachten, und vielleicht ein bisschen traute Zweisamkeit im Schlafabteil genießen. Leider sind sie in letzterem nicht allein, es stellt sich heraus, dass man es mit Abby und Carlos teilen muss. Sie stille Amerikanerin, er ein suspekter Gigolo aus irgendeinem spanischsprachigen Land. Roy und Jessie sind ohne Arg, doch die neuen Freunde danken es ihnen schlecht.

Außerhalb von Nordamerikas natürlichen Grenzen ist Feindesland. So erzählen es "Hostel" und Co., und so erzählt es "Transsiberian", der neue Film von Brad Anderson ("The Machinist"). Hollywood hat das Ausland in seinen Werken schon mal freundlicher und romantischer betrachtet als gegenwärtig, doch vielleicht ist ja das schlechte Gewissen, es sich mit allen verdorben zu haben, Ursache für die grassierende Xenophobie im Kino. Hier sind Russen bedrohliche Trunkenbolde und Latinos immergeile Drogendealer, beide stets bereit, einen Amerikaner zu belügen oder zu missbrauchen, zu opfern oder totzufoltern (so weit kommt's noch), wie die Geschicke des Tages es eben erfordern.

Stil und Handwerk gemahnen an Thriller der 60er und 70er Jahre und in den besten Momenten an Hitchcock. Anderson nimmt sich Zeit für Betrachtungen und Charakterisierungen, verzichtet statt dessen auf hektische Schnittmontagen und authentizitätsheischende Mätzchen. So kommt es als ziemliche Überraschung daher, wenn nach einer gemächlichen ersten Halbzeit, in der das Ganze zuweilen eher einem heiteren Beziehungsspielchen gleicht, die Auseinandersetzung losbricht und im Frontalzusammenstoß zweier Züge gipfelt. Nicht immer frei von Unglaubwürdigkeiten, doch schön anzuschauen und spannend allemal.