Originaltitel:
Män som hatar kvinnor;
Schweden
/ Dänemark / Deutschland 2009
- 152 Min.; ab 16;
Regie: Niels Arden Oplev;
Darsteller: Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Sven-Bertil
Taube, Peter Haber, Peter Andersson.
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Es geht um "Männer, die Frauen hassen".
So lautet der übersetzte schwedische Originaltitel des Thrillers "Verblendung" von
Stieg Larsson, der eines seiner Kapitel mit der Vorbemerkung einleitet: "46
Prozent aller schwedischen Frauen über 15 sind schon einmal Opfer
männlicher Gewalt geworden." Allerdings geht es auch um Frauen,
die sich wehren. Eine davon kann das besonders gut: Lisbeth Salander,
eine Mischung aus Punk-Göre, tückischer Nymphe und Pippi Langstrumpf
von der falschen Straßenseite. Sie ist eine der bizarrsten Frauenfiguren,
die je in der Literatur auftauchten, und im Film wird sie von einer
außergewöhnlichen Darstellerin verkörpert: Noomi Rapace hat nie Schauspielunterricht
genommen, brachte sich ihre Fertigkeiten selbst bei und verwandelte
ihren Körper für die Rolle der Lisbeth in ein Muskelpaket. Doch nicht
nur sie macht "Verblendung" zu einem Kinokraftakt.
Den Auftakt des Films bilden zwei verschiedene Erzählstränge, die
zunächst keinerlei Berührung aufweisen. Im ersten erleidet der Enthüllungsjournalist
Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) vor Gericht eine bittere Niederlage.
Ein Wirtschaftsführer, dem er in einem Aufmacher der Zeitschrift "Millennium" betrügerische
Waffengeschäfte unterstellte, kann diese zurückweisen; der Reporter
wird als Rufmörder zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt,
die er aber zunächst nicht antreten muss. Gleichzeitig wird an einem
anderen Ort von Kopenhagen der schwer erziehbaren Lisbeth Salander
(Rapace) ein neuer Betreuer zugeteilt. Der sich allerdings selbst
als reichlich gestörter Psycho erweist und von Lisbeth sexuelle Gefügigkeit
erpresst. Ein Fehler. Eine Frau wie Lisbeth lässt sich nicht unterdrücken.
Gleichzeitig nimmt der zur Untätigkeit verdammte Reporter einen Gefälligkeitsjob
des Großindustriellen Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube) an. Dieser
erhält seit Jahren zum Geburtstag das gleiche Geschenk: gepresste
Blumen hinter Glas. Vanger ist überzeugt, dass die Pflanzen ein Lebenszeichen
seiner verschwundenen Nichte Harriet sind. Blomkvist soll Harriet
suchen. Ein aussichtsloses Vorhaben, denn die Polizei hat den Fall
längst zu den Akten gelegt, und neue verwertbare Spuren stehen nicht
zur Verfügung. Bis Blomkvist auf eine Liste mit den Namen von fünf
ermordeten Frauen stößt. Auch diese bringt ihn zunächst nicht weiter,
doch dann gibt ihm eine Fremde einen wichtigen Hinweis: Blomkvist
trifft auf die geheimnisumwitterte Lisbeth Salander.
Regisseur Niels Arden Oplev, der zuvor Serien für das schwedische
Fernsehen drehte, gelingt mit "Verblendung" ein hochklassiger
Thriller auf internationalem Niveau. Grau, trüb und regennass - so
präsentiert sich der Schauplatz Schweden in der zweieinhalbstündigen
Krimi-Tour-de-Force. Oplevs Film wirft einen ungeschminkten Blick
in grausamste menschliche Abgründe. Die Folterszenen sind schwer
zu ertragen, und auch was die rein psychische Brutalität angeht,
kann es der Schocker durchaus mit dem großen Genrevorbild "Das
Schweigen der Lämmer" aufnehmen - obwohl "Verblendung" ohne
eine charismatische Figur wie Hannibal Lecter auskommen muss.
Der am Ende präsentierte Bösewicht verfügt nicht annähernd über
die perfide Ausstrahlung eines Anthony Hopkins.
Das Böse wird auch weiterhin aus Schweden kommen: Die Larsson-Adaptionen "Vergebung" und "Verdammnis" sind
bereits abgedreht und starten im nächsten Jahr in den deutschen Kinos.
Das ungleichste Ermittlerduo der Thrillerszene wird darin in noch
schwärzere Tiefen der menschlichen Seele vorstoßen.
Fazit: Kraftvolle, hochgradig spannende Verfilmung des Bestsellers
von Stieg Larsson: Endlich ein europäischer Thriller auf bestem Hollywood-Niveau!
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