Regisseur der zweiten Verfilmung von Stieg Larsson
Milleniums-Trilogie ist Daniel Alfredson, der bei Teil eins noch
für die Aufnahmen des zweiten Teams verantwortlich war. Larsson wählt
hier (und auch in Teil drei, der zusammen mit diesem zweiten Teil
eigentlich einen einzigen, sehr langen Film bildet) einen roheren
Stil als Teil eins hatte. Statt in Scope wurde im normalen Breitwandformat
gedreht, häufig mit wackeliger Handkamera, die der finsteren Geschichte
eine zusätzlich verstörende Wirkung verleiht.
Zu Beginn ermittelt Mikael Blomkvist (Michael Myqvist), Autor und
Mitherausgeber des investigativen Magazins Millennium, an einer neuen,
brisanten Geschichte, die sich um Menschenhandel und Zwangsprostitution
dreht. Ein junger Journalist hatte sich mit seinen Recherchen an
Millennium gewandt, eine Entscheidung, die er und seine Freundin
bald mit dem Tod bezahlen müssen. Verdächtigt wird Lisbeth Salander
(Noomi Rapace), die viel geschundene Heldin der Trilogie. Diese hatte
ohne Blomkvists Wissen ebenfalls an der Geschichte recherchiert und
war auf ein pikantes Detail gestoßen: Ihr Vormund Nils Bjurman, der
sie jahrelang sexuell missbraucht und erpresst hatte, war ebenfalls
in die Machenschaften des Menschenhändler-Ring verwickelt. Ihr Wissen
nutzt nun Lisbeth, um sich Bjurman vom Leib zu halten, der allerdings
ebenfalls bald tot aufgefunden wird. Lisbeth sieht sich also mit
dem Vorwurf eines Dreifachmordes konfrontiert, und allein Blomkvist
scheint an sie zu glauben. Er setzt all seine Talente als investigativer
Journalist daran, Lisbeths Unschuld zu beweisen, und stößt auf ein
weit in die Vergangenheit reichendes Komplott, das die Herkunft von
Lisbeths Vater, Geheimdienstaktivitäten und korrupte psychiatrische
Ärzte entlarvt.
Im Vergleich zum fast 800 Seiten langen Roman ist der Film natürlich
zwangsläufig komprimiert. Der Fokus liegt deutlich weniger auf dem
eigentlichen Aufhänger, der Zwangsprostitutions-Ebene, als auf der
Geschichte Lisbeths, die erst in Teil drei zu einem Abschluss findet.
Zwar sind die beiden Ebenen im Roman geschickt und komplex verwoben,
im Film hat man nach etwa der Hälfte den Eindruck, als wäre der eigentliche
Anlass der Geschichte komplett vergessen worden. Die Ermittlungen
und Recherchen im Milieu der Menschenhändler brechen abrupt ab und
werden im weiteren Verlauf mit keinem Wort erwähnt. Erstaunlicherweise
schadet das dem Film kaum, ja, je weiter die Geschichte vorangeht,
je deutlicher die Machenschaften, denen Lisbeth zum Opfer fiel, ans
Licht treten, desto mehr vergisst man es. Als immer skrupelloser
erweist sich das Netz, in dem Lisbeth gefangen ist, dass ihr Leben
zur Hölle gemacht hat. Dass das Finale zunehmend die Bereiche der
Realität verlässt, sich Larssons Phantasie mehr an den Bösewichtern
aus einem James Bond-Film zu orientieren scheint als an der schwedischen
Realität, muss man da wohl akzeptieren.
Es ist spannend und rasant, auch wenn die überdrehte Note, die manchen
Aspekten der Geschichte anhaftet, die Analyse von Missständen der
schwedischen Gesellschaft in den Hintergrund treten lässt. Freunde
der Romane dürften auch an dieser zweiten Verfilmung ihre Freude
haben, deren größtes Manko es ist, dass es etliche Monate dauern
wird, bis der dritte Teil ins Kino kommen wird. |