Sonniger Witz regiert Woody Allens romantischeSommerkomödie über Kunst, Essen und Sex als Würze einer hinreißenden ménage à trois.
Erotisches Fieber herrscht in Woody Allens vierzigstem Film, der den Meister urbaner Tragikomödien von seiner leichtesten Seite zeigt. Er macht die titelgebende katalanische Stadt Barcelona zu einer der Hauptpersonen, wenn Spaniens Superstars Penelope Cruz und Javier Bardem auf Scarlett Johansson und Rebecca Hall treffen, die als amerikanische Studentinnen auf Sommerurlaub auf der Stelle vom spanischen Fieber gepackt und in einen Wirbelwind romantischer Leidenschaft gerissen werden. Die beiden denkbar unterschiedlichen Freundinnen werden in Barcelona und während eines Wochenendes in Oviedo mit dem “intensiven” Maler Juan Antonio (Bardem) in ihren Gefühlen, Gelüsten und Gewohnheiten auf köstlichste Weise erschüttert.
Die realistisch pragmatische Vicky (Hall), mit einem New Yorker Geschäftsmann verlobt und auf den Spuren ihrer katalanischen Identität, sieht angesichts spanischer Wonnen und Libertinage ihre Zukunft als graues Einerlei, während sich die frei denkende Cristina (Johansson in ihrem dritten Allen-Film) auf der ewigen Jagd nach Glück und dem perfekten Partner nach einer ulkigen Verzögerung mit Antonio einlässt. Das romantische Idyll gerät ins Stolpern, als Juans Ex Maria Elena (Cruz) wieder auftaucht und das Paar in eine ménage à trois treibt, die auf so wunderbare wie unglaubliche Weise selbst in der Dunkelkammer funktioniert. Da will Vicky nicht hintan stehen.
Es ist erstaunlich, wie frisch und vital Allens Sommernachtssexkomödie wirkt, wie er Frauen und Neurotiker um die 30 versteht, welch unverbrauchte Dialoge ihm aus der Feder fließen und wie er im Off-Kommentar des Erzählers punktgenau das fehlende Ingredienz einsetzt, das Vicky und Cristina in ihren Beziehungsdesastern nie finden. Von allen Schauspielern famos gespielt, speziell der vor Temperament berstenden Cruz, die sexy und in zwei Sprachen durch den Film prescht, woraus Allen einige schöne verbale Running Gags entwickelt.
War früher New York Allens magische Heimat, so feiert er hier Barcelona als Stadt, deren Zauber und glanzvolle Sehenswürdigkeiten (Gaudi-Kathedrale, Miro-Museum, Tibidabo-Freizeitpark) Kameramann Javier Aguirresarobe („Sprich mit ihr”) in makellos leuchtenden Bildern einfängt, die der Stadt wohl noch mehr Besucher als ohnehin einbringen werden. Wer spanische Gitarren liebt, wird dem Film nach den ersten Minuten erliegen. Der „Sex & the City”-Genuss ist einer der publikumsfreundlichsten Allen-Filme überhaupt und sollte dementsprechend Anklang finden.