Ein Film-Wunder. Eigentlich ein
unmöglicher Film, aber es gibt ihn, und er ist eiens der wichtigsten,
bewegendsten Kinoereignisse des Jahres.
Süddeutsche Zeitung
Ein Filmwunder...
ARD Tagesthemen
...ein großer, unbedingt sehenswerter Film ...tief
berührend.
ZDF Heute Journal
Mit der in den neunziger Jahren
erfolgten und bis heute nicht aufgeklärten Ermordung der Trappisten-Mönche
von Tibhirine befasst sich Xavier Beauvois’ „Von Menschen und Göttern“.
In meditativen Bildern und im Rhythmus der choralen Gebete des Ordens
erzählt Beauvois eine ergreifende Geschichte, in der Mut, Mitmenschlichkeit
und religiöse Toleranz als fundamentale Werte allgegenwärtig sind.
Bei den Filmfestspielen von Cannes gab es dafür den „Großen Preis
der Jury“. „Von Menschen und Göttern“ wird von Frankreich zudem in
das Oscar-Rennen um den „Besten fremdsprachigen Film“ geschickt. |
Das Atlas-Gebirge erstreckt sich von Marokko im Westen
über Algerien bis nach Tunesien. Es ist eine schroffe, zugleich faszinierende
Landschaft, geprägt von kleinen Dörfern und Siedlungen und einer
mühsamen, meist nicht sonderlich ertragreichen Landwirtschaft. In
dieser felsigen Umgebung erscheint das malerische, liebevoll gepflegte
Kloster der Trappisten-Mönche von Tibhirine wie ein kostbares Refugium
der Ruhe und des Friedens. Tatsächlich ist das Dorf unterhalb des
Klosters mit diesem über die Jahrzehnte gewachsen. Zwischen den Mönchen
und der einheimischen Bevölkerung besteht ein sehr freundschaftliches
Verhältnis. Die Geistlichen bieten ihre Hilfe bei medizinischen Problemen
und anderen, auch zwischenmenschlichen Nöten an, im Gegenzug werden
sie regelmäßig zu Familienfesten und anderen Feierlichkeiten eingeladen.
Doch diese friedliche Idylle ist bedroht. Seitdem islamistische Rebellen
immer wieder die Gegend um das Kloster aufsuchen und dabei zuletzt
sogar eine Gruppe kroatischer Gastarbeiter ermordeten, spüren die
Mönche, dass auch ihr Leben ernsthaft in Gefahr ist. Die Behörden
legen ihnen dann auch nahe, Tibhirine möglichst bald zu verlassen.
Die Gemeinschaft unter der Leitung des engagierten Abts Christian
(Lambert Wilson) ist gespalten. Ein jeder fühlt sich hin- und hergerissen
zwischen der Angst vor dem, was da auf sie zukommen mag, der Verpflichtung,
den Menschen gerade in dieser schwierigen Lage beizustehen und dem
mutigen Bekenntnis, sich nicht von Terroristen die eigenen Entscheidungen
diktieren zu lassen. Regisseur Xavier Beauvois erzählt eine tragische
und zugleich wahre Geschichte über eine Gemeinschaft, die auch im
Angesicht einer konkreten Bedrohung ihre Prinzipien von Solidarität
und Nächstenliebe nicht vergisst. Das bis heute nicht gänzlich aufgeklärte
Verbrechen an den Trappisten-Mönche von Tibhirine, die im Jahr 1996
vermutlich von fanatischen Islamisten verschleppt und umgebracht
wurden, lehrt viel über Mut, Willenstärke und Mitmenschlichkeit.
Und es zeigt, was passiert, wenn Hass und Verblendung Überhand nehmen.
Trotz seines brisanten Themas vermeidet Beauvois’ gerade zum Ende
hin hochemotionaler Film vorschnelle Schuldzuweisungen und Erklärungen.
Auch wird der Islam keineswegs mit den Gräueltaten der Terroristen
gleichgesetzt. „Von Menschen und Göttern“ lässt vielmehr klar erkennen,
dass die Religion von manchen nur als Vorwand für ihre Interessen
missbraucht wird. Letztlich sind die Mönche – und nicht nur sie –
Opfer eines blutigen Krieges zwischen der korrupten algerischen Regierung
und religiösen Fanatikern. Beauvois wählte für seine in gewissen
Momenten durchaus auch hoffnungsvolle Geschichte die wohl beste,
weil passgenaueste Form. Das asketische, karge Leben der Mönche,
ihr streng nach sieben Stundengebeten ausgerichteter Tagesablauf,
all das fand in der Narration und Bildästhetik seine filmische Entsprechung.
Die zahlreichen, wiederkehrenden choralen Gebete und Gesänge erzeugen
hierbei wie die übrigen Alltagsbeobachtungen einen beinahe kontemplativen
Erzählrhythmus, dessen schroffe Unterbrechung mittels Gewalt und
Terror umso mehr erschüttert. Wie schon in Philip Grönings Dokumentation
„Die große Stille“ über das Kartäuserkloster „La Grande Chartreuse“
öffnet die authentisch nachgestellte Ruhe des Klosterlebens das Tor
zu einer anderen, den meisten von uns fremden Welt. Ob die von Beauvois
zum Ende hin forcierte Anlehnung an das letzte Abendmahl zwingend
notwendig gewesen wäre, darf indes bezweifelt werden. Die emotionale
Aufdringlichkeit dieser mit Tschaikowskys Schwanensee unterlegten
Szene, in der aus ehrbaren Männern plötzlich Martyrer gemacht werden,
ist jedoch nicht mehr als ein kleiner Makel an einem ansonsten nahezu
perfekten Film. |