Der polnische Soldat Janusz gehört
zu den Tausenden, die von den Russen während des Zweiten Weltkriegs
als Kriegsgefangene in Sibirien in Gulags gesteckt und dort unmenschlichen
Bedingungen ausgesetzt werden. Der findige junge Mann adaptiert schnell.
Mit sechs weiteren Gefangenen gelingt ihm die Flucht. Gemeinsam wollen
sie sich zu Fuß mit nur einem Messer als Waffe mehrere Tausend Kilometer
in die rettende Mongolei durchschlagen - nur um festzustellen, dass
auch dieses Land mittlerweile unter kommunistischer Herrschaft ist.
Janusz und die anderen Männer setzen ihre Reise Richtung Indien fort.
Und der eigentliche Überlebenskampf beginnt. Basierend auf Slawomir
Rawiczs erfolgreichem Tatsachenroman "Der lange Weg" von
1956, kehrt der australische Meisterregisseur Peter Weir sieben Jahre
nach "Master and Commander" ins Kino zurück, um einmal
mehr das Hohelied auf die Widerstandskraft des menschlichen Willens
zu singen. Mit Jim Sturgess, Ed Harris, Colin Farrell und Saoirse
Ronan namhaft besetzt, ist das Überlebensepos im Stil von "So
weit die Füße tragen" ein packendes, tatsächlich in der Natur
gedrehtes Erlebnis, das im letzten Drittel jene außerordentliche
Poesie entwickelt, wie man sie sich von einem Filmemacher wie Weir
erwartet. |
USA 2010
- 132 Min.; ab 12;
Regie: Peter Weir;
Darsteller: Ed Harris, Colin Farrell, Jim Sturgess, Saoirse Ronan,
Alexandru Potocean, Gustaf Skarsgård, Mark Strong, Dragos Bucur, Sebastian
Urzendowsky.
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Packendes Überlebensepos, in dem sieben
Männer aus einem sibirischen Gulag fliehen und einen 6000 Kilometer
langen Fußmarsch ins rettende Indien antreten.
Es ist nicht entscheidend,
ob Slawomir Rawicz die Geschichte in seinem legendären Tatsachenroman
aus dem Jahr 1956 - eine Version des in Deutschland deutlich bekannteren
und zweimal verfilmten "So weit die Füße tragen" - erfunden
hat, wie ihm in den letzten sechs Jahrzehnten wiederholt vorgeworfen
wurde. Entscheidend ist, dass Peter Weir die Ode an den menschlichen
Überlebenswillen behandelt, als wäre sie tatsächlich passiert: Mit
einem an Obsession grenzenden Realismus schildert der australische
Meisterregisseur in seinem ersten Film seit "Master and Commander" aus
dem Jahr 2003 die Odyssee des polnischen Soldaten Janusz und sechs
weiterer Gefangenen eines sibirischen Gulags, die nach ihrer Flucht
während eines Schneesturms, mit nur einem Messer als Waffe, elf Monate
Richtung Süden marschierten, bis sie nach 6000 Kilometern im rettenden
Tibet ankommen.
Gleich in den ersten Szenen wird der Zuschauer darüber
informiert, dass sie zu diesem Zeitpunkt nur noch zu viert sein werden.
Die Spannung bezieht das imposante Naturepos also nicht daraus, ob
es Überlebende gibt, sondern wer die Überlebenden sein werden - und
wie bzw. wo die anderen sterben. Fesselnd sind aber vor allem die
Aufnahmen, die Weir weitgehend ohne unterstützende Hilfe von computeranimierten
Manipulationen gelangen: Die Natur erweist sich als der eigentliche
Feind der sieben Flüchtlinge, obwohl sie sich von ihrer ganzen Pracht
präsentiert. Während alle erdenklichen Härten, von gnadenloser Kälte
in Sibirien über Moskitoplagen und quälendem Hunger hin zur mörderischen
Hitze in der Wüste Gobi, an Kräften und Moral zehren, gelingt es
dem Regisseur, seine Hauptfiguren mit groben Strichen doch als nachvollziehbare
Figuren zu zeichnen, um deren Leben man bangt: Neben der von Jim
Sturgess gespielten Identifikationsfigur Janusz hinterlassen Ed Harris
als enigmatischer und zynischer Amerikaner und Saoirse Ronan als
Mädchen, das sich der Gruppe unterwegs anschließt, den bleibendsten
Eindruck, während Colin Farrell als unberechenbarer russischer Heißsporn
jeder Regieanweisung mit wildem Augenrollen beantwortet.
Das eigentliche
Problem des Epos ist jedoch, dass Weirs versessener Authentizitätswille
dem Film zunächst nicht erlaubt, mehr zu sein als das, was er zeigt.
Erst in den späten Szenen in der Wüste Gobi, wenn Ronan mit Kopftuch
und einer Art Dornenkrone zugleich wie eine Maria Magdalena und ein
Jesus erscheint, stellt sich jene Transzendenz ein, die tiefer geht:
Wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, wen man wann zurück-
und seinem eigenen Schicksal überlässt, fühlt man sich daran erinnert,
dass man es mit einem Filmemacher zu tun hat, der Meisterwerke wie "Fearless", "Club
der toten Dichter" oder "Der einzige Zeuge" geschaffen
hat. Dann ist "The Way Back" größer als die aufdringliche
Coda, dass die Odyssee auch dann nicht zu Ende ist, als die Überlebenden
am Ziel ankommen, sondern weitergeht, bis die Geißel des Kommunismus
noch einmal fast 50 Jahre später besiegt werden kann.
ts. (Blickpunkt Film) |