USA
/ F
2009 - 92 Min.; ab 12;
Regie: Woody Allen;
Darsteller: Larry David, Evan Rachel Wood, Patricia Clarkson, Ed Begley
Jr., Conleth Hill, Michael McKean, Henry Cavill, Kristen Johnston,
Carolyn McCormick, John Gallagher Jr., Olek Krupa.
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Schon in den ersten Filmminuten geht das Schimpfen
und Wettern gegen die Zustände im heutigen Amerika mit Vollgas auf
die Strecke. Seinen Freunden im kleinen Straßencafé jedenfalls tischt
der exzentrische Boris Yellnikoff – großartig gespielt von US-Komiker
Larry David – seine bisweilen zynischen und bissigen Erklärungen
zum Zustand der Nation in einer Weise auf, als stünde hier immer
noch der Professor vor seinen Studenten. Aus Yellnikoff spricht das
verkannte Genie, das immer noch daran knabbert, den Nobelpreis für
Physik eben nicht erhalten zu haben. Einen Selbstmordversuch hat
er deshalb schon hinter sich, auch wegen einer gescheiterten Ehe.
Indem er seine mit amüsanten Macken ausgestattete Hauptfigur – wie
einst schon in „Der Stadtneurotiker“ – direkt in die Kamera und damit
mit Fingerzeig auf den Zuschauer zutreten lässt, holt sich Allen
seine Verbündeten diesmal direkt im Publikum.
Der Schwung geht „Whatever works“ jedoch nach dieser großartigen
Eröffnung nicht aus. Yellnikoff (lustiger Name, schließlich bedeutet
‚to yell’ ja ‚schreien’ - was den Nörgler bestens charakterisiert)
findet eines Tages in der Nähe seines Stadtappartements die junge
Ausreißerin Melody (Rachel Evan Woods als neue Muse Allens) auf der
Straße vor. Frisch aus den Südstaaten ist die 19-jährige in den Big
Apple gereist, ohne Geld in den Taschen, abgebrannt, hungrig und
optimistisch auf die großen Versprechen der Stadt. Yellnikoff ist
entsetzt über so viel naive Gutgläubigkeit und gewährt ihr erst mal
Unterschlupf. Bald darauf heiratet das junge, leicht flippige Mädel
den älteren Herrn.
Hier greift der Filmtitel „Whatever works“ bereits zum ersten Mal,
zeigt sich, wie man sich mit Dingen, an die man vielleicht vorher
nicht geglaubt hat, sie nun aber akzeptiert, anfreunden kann, ja
sogar sehr gut damit fährt. Lass den Dingen ihren Lauf, lebe aus,
was Dir geschieht, so scheint Woody Allen hier zu rufen. Auch wenn
die Altherrenphantasien schon in vergangenen Filmen von ihm thematisiert
wurden, dank seiner immer wieder erfrischenden Variationen des Stoffes
bleibt Langeweile ein Fremdwort. Die Dialoge jedenfalls sind wieder
einmal köstlich und pointiert, keinesfalls aufgesetzt, gehen Allen
leicht von der Hand.
Man kann sich das Entsetzen sehr gut vorstellen, als der Reihe nach
die besorgten und sittenstrengen, jedoch getrennt lebenden Eltern
des Mädels (Patricia Clarkson/Ed Begley Jr.) unverhofft in New York
aufkreuzen und von der Ehe des weit über 60-jährigen Mannes mit ihrer
Tochter erfahren. Auch sie lässt Woody Allen die Welt jedoch bald
schon mit neuen Augen sehen und sprichwörtlich zu neuen Ufern aufbrechen.
Glück, so scheint Allen hier sagen zu wollen, ist, wenn man den Dingen
seinen Lauf lässt und nicht allzu sehr herum lamentiert. Dass er
manchmal arg heftig austeilt, der Künstlerszene und Intellektuellenkreisen
eins auswischt, Yellnikoff seinen Schachschülern auch schon mal ein
Spielbrett über den Kopf ziehen lässt und diese zu Erziehungszwecken
in ein Konzentrationslager schicken mag, so möchte das manchmal etwas
arg wüst erscheinen. Dass Woody Allen in einer bestechend guten Form
ist, lässt sich nicht bestreiten.
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