WHISKY MIT WODKA, der wie SOMMER
VORM BALKON in Kollaboration mit Wolfgang Kohlhaase entstand, ist
Andreas Dresens ambitioniertestes Projekt bislang. Die Komödie mit
den bitteren Untertönen erzählt von einem Filmdreh an der Ostsee,
bei dem alle Szenen mit dem alkoholkranken Hauptdarsteller zur Sicherheit
noch einmal mit einem Double gedreht werden. Der Film um verletzte
Eitelkeiten, Ehrgeiz, Einsamkeit und Würde bedient die Register des
großen Kinos – und ist dennoch am besten in den ganzen ruhigen Kammerspielszenen.
Fazit: Ein raffiniertes Drehbuch, glänzende Darsteller und der sensible
Blick Andreas Dresens gehen in „Whiskey mit Wodka“ perfekt ineinander.
Herausgekommen ist ein urkomischer, aber dennoch ernsthafter Film –
eine Tragikomödie par excellence. Und was die Sprüche angeht: Die kann
man nicht nacherzählen, die muss man gesehen haben.
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Während Andreas Dresen noch an dem intimen Kammerspiel
WOLKE 9 arbeitete, begann er bereits mit den Dreharbeiten zu seinem
bisher aufwendigsten Film. WHISKY MIT WODKA erzählt nach einer wahren
Begebenheit die Geschichte eines Filmdrehs. Der gesichtslose Allerwelts-Regisseur
Martin Tellek (Sylvester Groth) dreht eine aufwendige Dreiecksgeschichte
in einem Ostseebad in den Dreißigern. Weichzeichner, weiße Anzüge,
eine Billigversion von Tod in Venedig. Hauptdarsteller ist der charismatische
Otto Kullberg (Henry Hübchen), die Hauptdarstellerin ist Telleks
eigene Frau Bettina (Corinna Harfouch), die zugleich eine ehemalige
Geliebte von Kullberg ist. Als Kullberg schon am ersten Tag betrunken
am Set erscheint und den Film in Gefahr bringt, schlägt der Produzent
vor, zur Sicherheit parallel mit einem anderen Hauptdarsteller noch
einmal zu drehen. Tellek brüllt zwar zunächst seinen Lieblingsspruch
„Ich bin doch kein Eimer, in den jeder scheisst!“, gibt dann aber
doch sehr schnell klein bei und engagiert Arno Runge (Markus Hering)
als Ersatzmann.
Aus der grotesken Ausgangsituation haben Andreas Dresen
und sein Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase eine Komödie entwickelt,
in der nach einem eher klamottigen Anfang immer mehr dunkle und wehmütige
Töne zum Vorschein kommen. Neben dem Egomanen Otto, der auf einmal
merkt, dass seine Tage gezählt sind, bilden sein hoffnungsvoller
Gegenspieler Arno, der opportunistische und schmierige Tellek und
die unzufriedene, verspannte Bettina das Zentrum der kleinen Zeltstadt
am Meer, in der das Filmteam lebt. Jeder haust für sich in einem
Wohnwagen, und unter der Glamour-Oberfläche des Filmemachens kämpft
jeder mit der Angst vor der Einsamkeit und dem Älterwerden, und gibt
sich in kleinen und großen Kompromissen auf.
Das ambitionierte Spiel
mit Komik und Tragik, Bosheit und Menschlichkeit, Film und Realität
ist gut ausgedacht, und solide und unterhaltsam inszeniert, kommt
aber an die großen Vorbilder des Genres, die über Film als Leben
erzählen (ALL ABOUT EVE, SUNSET BOULEVARD, EINE AMERIKANISCHE NACHT)
nicht heran. Vielleicht, weil Dresen die Komik bewusst ausbremst,
seinen Figuren allzu verständnisvoll begegnet und sich in der Inszenierung
nicht recht zwischen einer filmischen Kunst-Welt und schlichten Alltagsbildern
entscheiden kann. Am stärksten ist WHISKY MIT WODKA immer dann, wenn
es so zweisam und privat wird, wie in WOLKE 9 oder in den Paar-Gesprächen
von HALBE TREPPE, wenn etwa Bettina und Otto im alten Landgasthof
so tun, als ließe sich die Zeit zurück drehen und eine vergangene
Affäre wiederholen. Oder wenn Arno versucht, der nette Typ zu sein
und Otto dennoch auszubooten.
Arno, der ewige Zweite, der am meisten an die
an die unscheinbaren Helden der anderen Dresen-Filme erinnert, ist
dann auch die interessanteste und facettenreichste Figur des Films.
Markus Hering spielt ihn als verwuschelten, einsamen, eher genügsamen
aber dann doch irgendwo auch ehrgeizigen Typ. Einen, der sich, anders
als der große Otto mit den großen Monologen, wirklich verwandelt,
wenn er im Film-im-Film die Bühne betritt.
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