Als Victoria (Emily Blunt) im zarten Alter von 18 Jahren Königin von
England wird, übernimmt sie die Regierungsverantwortung inmitten großer
politischer Konflikte und umgeben von Machtkämpfen. Die lebensfrohe
junge Frau muss schnell lernen, sich in ihrer neuen Rolle zu behaupten
und zu entscheiden, wem sie ihr Vertrauen schenken will. Auf Einladung
ihrer Mutter kommt ihr Cousin, der deutsche Prinz Albert (Rupert Friend),
nach London. Um den Einfluss seiner Familie auf das englische Königshaus
zu stärken, soll er Victorias Herz erobern. Der Plan geht auf. Und
noch mehr: Es wird tatsächlich Liebe auf den ersten Blick ... |
Originaltitel:
The Young Victoria;
Großbritannien / USA 2009 - 105 Min.;
ab 12;
Regie: Jean-Marc Vallée;
Darsteller: Emily Blunt, Rupert Friend, Paul Bettany, Miranda Richardson,
Jim Broadbent, Thomas Kretschmann, Mark Strong, Jesper Christensen.
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Royale Skandale sind Spezialität des britischen Königshauses.
Da war Wallis Simpson, bürgerliche Amerikanerin, die Edward VII.
dermaßen den Kopf verdrehte, dass er kurzerhand abdankte, um die
Angebetete zu heiraten. Nicht zu vergessen Prinzessin Margaret und
ihr geschiedener Rittmei-ster oder die tragische Lady Di, die Prinz
Charles zumindest am Telefon betrog. Aber es gab auch himmlische
Romanzen, ganz Sissi und Franz Joseph, die dann entsprechend tragisch
endeten. Etwa die 21 Jahre andauernde Ehe zwischen Victoria und ihrem
Cousin Prinz Albert, den der Typhus-Tod 42-jährig jäh aus dem Leben
riss. Vielleicht Grund dafür, dass die eiserne Victoria, nach der
ein ganzes Zeitalter benannt ist, auf Porträts immer grimmig schaut,
so wie Judi Dench in John Maddens „Ihre Majestät Mrs. Brown“.
Nun hat sich mit Jean-Marc Vallées ein weiterer kanadischer Filmemacher
der ebenso eigenwilligen wie gestrengen Persönlichkeit angenommen,
in „Young Victoria“ die frühen Jahre der Monarchin beleuchtet und aus
ihr eine strahlende, gar heitere Schönheit gemacht. Die wunderbare
Emily Blunt („Der Teufel trägt Prada“) spielt sie als moderne Frau,
intelligent, selbstbewusst und selbstbestimmt, der Regisseur legt den
Film wie schon seinen hoch gelobten „C.R.A.Z.Y. - Verrücktes Leben“
als Initiations-Drama an. An dessen Anfang steht die Intrige: Die Mutter
(Miranda Richardson), Herzogin von Kent, versucht, manipuliert von
ihrem „Berater“ Sir John Conroy (furchteinflößender Sanguiniker: Mark
Strong), die Tochter an der Thronfolge zu hindern - gegen den Willen
von König William IV., Victorias Onkel, den Jim Broadbent wunderbar
verschmitzt und witzig mit Leben füllt. So weit der „historische“ Hintergrund,
der eigentlich nur die Klammer bildet für die Liebesgeschichte, die
das Herzstück des akkuraten Skripts von Julian Fellowes („Gosford Park“)
ausmacht.
Auftritt Peter Albert Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha, schneidiger
Edelmann mit blondem Moustache, den Rupert Friend („Chéri - Eine Komödie
der Eitelkeiten“) mit viel Stolz und wenig Vorurteil gibt und von dem
die Königin in spe laut Tagebuchaufzeichnung sogleich „bezaubert“ ist.
Miteinander tanzen sie in den Himmel hinein, bekämpfen gemeinsam die
Ränkespiele des machiavellischen Lord Melbourne (Charmeur: Paul Bettany)
und geraten dabei selbst häufig aneinander. Worte werden wie Floretthiebe
gesetzt, mancher Blick wirkt tödlicher als ein Schlangenbiss. Doch
man wahrt die Contenance, Etikette regiert, was sich auch im erlesenen,
Oscar-prämierten Kostümbild Sandy Powells niederschlägt.
Very british ist dieses opulente Biopic, dieses aufwändige Schaustück,
das von Sarah Ferguson, einem anderen enfant terrible des britischen
Königshauses initiiert wurde. Sie sieht eine starke Parallele zwischen
ihrem Leben und dem Victorias - mag sein. Sicher ist, dass sie ebenso
durchsetzungskräftig ist wie ihre „Seelenverwandte“: 15 Jahre kämpfte
sie um dieses Projekt und kein geringerer als Martin Scorsese firmiert
als einer ihrer Mitproduzenten. |