Ende der 60er Jahre versetzte ein Serienmörder San Francisco in Angst und Schrecken. Fünf Personen fielen ihm binnen elf Monaten zum Opfer. Der Killer, der sich selbst ZODIAC nannte, führte die Polizei an der Nase herum. Bis heute konnte seine Identität nicht gelüftet werden. „Sieben“-Regisseur David Fincher hat aus dieser wahren Story einen fesselnden Thriller gestrickt.
Thriller;
USA 2006 - 157 Min.; ab 16;
Regie: David Fincher;
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Robert Downey Jr., Anthony Edwards, Brian Cox, Elias Koteas, Donal Logue, Chloë Sevigny.

Homepage (incl. Trailer)

Trailer (english)

www.imdb.com

Jeder Krimi verlangt nach einer Auflösung, jeder Tatort endet mit der Verhaftung des Täters. Die Ordnung ist wieder hergestellt, das Böse besiegt, und das Chaos, das der Täter in die Welt brachte, vertrieben. Doch "Zodiac" will uns diesen Komfort nicht gönnen. Regisseur David Fincher hat ein grandioses, Detail versessenes Dokudrama geschaffen um einen der berüchtigtsten Serienkiller der Vereinigten Staaten. Die Morde im Umland von San Francisco Ende der Sechziger bis Anfang der Siebziger Jahre wurden nie restlos aufgeklärt. Und auch der Film hat ein offenes Ende, das einen noch umtreibt, lange nachdem man das Kino verlassen hat.

Der Zodiac, auf deutsch "Sternzeichen", erlangte seine Berühmtheit durch seinen massiven Drang an die Öffentlichkeit und seine bizarren Briefe, in denen er behauptete, 37 Menschen ermordet zu haben. Wie Jack the Ripper schrieb er Briefe an die Polizei. Seine Opfer wären "Sklaven im Paradies". Er schickte eine "Happy Halloween" -Grußkarte an einen Reporter, der über die Morde berichtete. Die Zeitungen in San Francisco forderte er auf, verschlüsselte Botschaften zu drucken. Das FBI konnte den Code nicht knacken. Erst einer pensionierten High-School-Lehrerin ist das gelungen. Finchers Film basiert auf den Büchern von Robert Graysmith, der zur Zeit der Zodiac-Morde beim San Francisco Chronicle als Karikaturist arbeitete. Und Graysmith fungiert als eine Haupt- und Identifikationsfiguren, gespielt von Jake Gyllenhaal.

Ein paar Schreibtische weiter beim Chronicle arbeitet Paul Avery (Robert Downey, jr.), ein talentierter, arroganter Suffkopf, der sich im Laufe der jahrelangen Ermittlungen immer mehr in Schnaps und Kokain verliert. Der dritte im Bunde: Inspector Dave Toschi (Mark Ruffalo) vom Morddezernat, der sich auf der Suche nach Zodiac im bürokratischen Hickhack aufreibt. Da jeder Mord in einem anderen Zuständigkeitsdistrikt begangen wurde und manche Polizeistationen Ende der Sechziger noch nicht einmal ein Faxgerät hatten, blieben viele Hinweise an mangelnder Kooperationsbereitschaft unbearbeitet.

Finchers frühere Filme bestachen durch ihre verspielte Künstlichkeit. "Fight Club", "Panic Room", "The Game" und sein erster Ausflug ins Serienkiller-Genre, "Seven" waren opulente, düstere, bildgewaltige Inszenierungen. "Zodiac" dagegen ist tief im Realismus verankert. Kein Film mit kameratechnischen Mätzchen oder optischen Achterbahnfahrten. In seiner Nüchternheit erinnert er an den großen realistischen Thriller der Siebziger, "Die Unbestechlichen – All the President's Men" über den Watergate-Skandal. Fincher lässt seine Figuren in Polizeiakten wühlen, sich im Newsroom die Köpfe heiß reden und inszeniert das Zeitkolorit mit einer immensen Detailtreue. Das verschachtelte Drehbuch stopft eine enorme Informationsfülle in den Film, aber Fincher gelingt es bis zum Schluss, Rhythmus und dramatische Spannung zu halten. Eine Antwort auf den Täter kann der Film aber nicht geben und sprengt so die Konventionen des Genres. Das Chaos, das Zodiac freisetzte, wird für immer bleiben.